Natürlich war ich wieder der Meinung, ich werde die letzte meiner vier Prüfungen nicht schaffen. Natürlich dachte ich, ich sei richtig schlecht in der Theorie. Und natürlich dachte ich nach meinem Praxis-Auffrischungstermin: das wird nie etwas mit der praktischen Prüfung. Ebenso natürlich habe ich dank eines erheblichen Schlafmangels mal wieder alles geschafft. Ich weiß jetzt, dass es öl-, wasser- und fettgeschmierte Stopfbuchsen gibt, nicht aber was eine Stopfbuchse ist und wozu sie gut ist. Ich weiß dass man mit einer Takling den Tampen vor dem Aufgehen bewahrt, und hätte ich bei wiki nicht nachgeschaut, wüsste ich bis heute nicht, was ein Tampen und eine Takling überhaupt ist. Vor allem aber habe ich keine Ahnung, wie wohl ein größeres Boot zu segeln ist. So richtig bereitet die Ausbildung nicht auf die Praxis vor... Ich habe Robert auf der Prüfung wieder getroffen. Robert hat schon Erfahrung im Kojen mieten auf Hochseefahrten. Das wäre wohl auch was für mich, um Meilen zu sammeln und Erfahrungen vom Skipper zu erhaschen. Er hat erzählt von Skippern, die eine eigene Firma haben, die nebenbei läuft, während sie als GFs ein paar Monate Pause machen und eben Leute übers Mittelmeer schippern. Klingt nach meinem Zukunftsplan, oder?! Vielleicht ergibt es sich, mit Robert und anderen mal zusammen eine Koje zu mieten....
Was jetzt folgt ist Übung, Übung, Übung. Mit einigen Freunden habe ich schon Segeltermine ausgemacht, da werde ich ein wenig mein Wissen testen und den Freunden ein Abenteuer ermöglichen können. Und im Sommer dann geht es auf große Fahrt. Das zumindest ist Plan. Ich bin gespannt, was davon Wirklichkeit wird.
Irgendwie haben sich die Rollen neu verteilt. Seitdem zum letzten Prüfungstermin alle schon etwas erfahrenen Segelschüler weg sind, bleiben jetzt die etwas unerfahrenen...und ich! Trotz geringer Erfahrung sollen alle schon allein und ohne Lehrer auf die Boote – teilweise mit etwas erfahreneren Schülern. Schon zum zweiten Mal ist es jetzt vorgekommen, dass ich die Rolle des „Lehrers“ übernommen habe und die wichtigsten Kniffe beibringe. Dafür bedanken sich die eigentlichen Lehrer sogar bei mir. Ich find’s toll. Ich scheine also auf dem besten Weg zu sein zum Meeresbezwinger. Gerade heute aber hat das Mann-über-Bord-Manöver alles andere als gut geklappt. Ständig drehende Winde zudem in starken Böen haben es nicht gerade einfach gemacht, zu navigieren. Zwei Mal brauchte ich drei Anläufe, weil mir im entscheidenden Moment der Mann, also die zu bergende Boje vom Wind weggedriftet wurde. Damit würde ich wohl kaum durch die Prüfung kommen. Aber vielleicht wird es morgen am vorerst letzten Termin ja besser.
Seit Anfang April besteht eigentlich ausnahmslos jedes meiner Wochenenden aus den Segelterminen. Fast immer war dabei bestes Wetter. Mit Ausnahme einiger weniger „Reibungsverluste“ war es eine wunderbare Zeit, die ich gerne auch mal mit sonntäglichen Erkundungen des Wannsees verbunden habe. Wenn alles nach Plan läuft, dann ist dies das letzte dieser Wochenenden, dann gibt es danach nur noch einen Auffrischungstermin unter der Woche kurz vor der Prüfung. Der Weg über die Autobahn bis ans andere Ende der Stadt zum Bootshaus zelebriert längst den Start des Wochenendes. Es wird mir fehlen, hier her raus zu fahren.
Andererseits – warum sollte Schluss damit sein? Jetzt geht’s erst richtig los! Immer wieder werde ich mir ein Boot mieten und mich auf das echte Berliner Meer hinaus trauen, also alles was hinter der magischen Linie liegt, die wir nie überfahren haben, alles außerhalb unserer schützenden Bucht. Mach dich auf den Meeresbezwinger gefasst, du Wannmeer!
Es ist Freitagabend, 21 Uhr. Erschöpft und übermüdet komme ich von der Arbeit. Blöde Idee, diese Woche noch diese dämlichen Funkprüfungen zu machen. Ich gehe die Fragebögen durch, mache immer noch viel zu viele Fehler. Teile des UBI-Bogens mache ich heute zum ersten Mal. Was soll das bloß morgen werden? Gegen zwei Uhr falle ich ins Bett. Samstagmorgen, 7 Uhr – mein Wecker klingelt. Welcher Idiot legt Prüfungen am Wochenende auf derart blöde Zeiten? Hat doch alles keinen Zweck, ich schaff das heut niemals. 9:30 Uhr. Ich stehe im Regen in Grünheide vor irgendeinem Bundeswehrhaus. Hier soll es heute also zur Sache gehen. Ich nehme Platz im Prüfungssaal. Neben mir steht ein Bücherregal. Ich kann deutlich erkennen, dass auf einem der Bücher in großen Buchstaben „FOLTER“ steht und denke mir hier in diesem Bundeswehrgebäude meinen Teil. Dann geht’s los. Für den SRC geht alles von der Hand. Beim UBI kommen genau alle Fragen dran, die auf meiner Unsicherheitsliste standen. Danach heißt es warten. Insgesamt sitze ich 2 Stunden vor dem Zimmer, in dem auch praktisch geprüft wird. Ich freue mich, hier Guido wieder zu treffen, mit dem ich zusammen die Praxisausbildung gemacht hab. Wir unterhalten uns ein wenig und gehen die Algorithmen durch. Auf einmal sind wir dran und es passiert. Wie im Trance tippe ich bei einer vorgegebenen „Wir verlassen das Schiff“ Meldung zuerst „Explosion“ (immerhin war das Schiff explodiert) und dann auch noch „Undesignated“ (es gab Verletzte) in den DSC Controller. Und schicke die Meldung ab. Durchgefallen? Schnell rufe ich, dass ich einen Fehler gemacht habe. Ich darf gegen Mehrarbeit den Notfehlalarm zurücknehmen und neu absetzen. Das war knapp. Dann noch ein paar Meldungen, bei denen ich ungewohnt unsicher bin. Auf einmal soll ich zwei Lappen unterschreiben. Bestanden! Mal wieder bin ich überglücklich. Mit meinen beiden Scheinen in der Hand gehe ich stolz wie ein Honigkuchen raus, auf einmal kommt die Sonne durch und lacht mir ins Gesicht. Herrlich! Und meine Verteidigung hab ich schon am Mittwoch abgehakt. Und was habt Ihr so die Woche gemacht? Das war zu viel meintet ihr? Ha, aber ihr habt nicht mit dem Incredible Micha gerechnet, was?!
So langsam dämmert es mir, dass ich mir vielleicht ein wenig viel vorgenommen habe. Allgemein natürlich nicht – aber in dieser speziellen Woche schon: Die härteste Woche des Jahres 2009. Ursprünglich stand für das Ende dieser Woche nur die SRC-Funkprüfung an. Dummerweise habe ich heute eine andere wichtige Prüfung zu bestehen. Meine Disputation. Der Titel wird später vielleicht die Basis sein, um mir meinen Traum auch finanziell zu ermöglichen und hat demnach eine hohe Bedeutung. Irgendwie ist mir die Disputation gegenüber der Funkprüfung aber zunehmend unwichtiger geworden, meine Vorbereitung funktioniert einzig und allein durch meine tagtägliche Beschäftigung mit den Inhalten bei der Arbeit. Aber gut, das reicht nicht dachte ich, also habe ich gleich noch und ganz kurzfristig beschlossen, den UBI-Funkkurs zu machen und Ende der Woche mit dem SRC gleich in die Prüfung zu gehen. Seit Tagen verbringe ich die Abende über den Büchern. Und ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob ich das alles packe. Ich bin wahnsinnig? – meint ihr vielleicht...Stimmt!
OK, zugegeben, vom ersten Eindruck ist nicht mehr viel übrig. Das Segeln gehört längst zum Teil dieser wunderbaren Wochenenden in diesem äußerst warmen und sonnigen April, und ich habe die wichtigsten Kniffe drauf. Ich bin inzwischen nicht nur die Riesenjolle gefahren, sondern auch den Jollenkreuzer (links) und eins von diesen Booten, die gern auch einmal umkippen (unten rechts). Inzwischen war ich sogar schon einmal ohne Lehrer unterwegs, ganz allein mit einem anderen Segelschüler an Bord. Wenden, Halsen, kein Problem. Mann über Bord – mach ich mit Links - solange es nur eine Boje ist jedenfalls. Klar, ich bin weit davon entfernt, richtig segeln zu können, aber heute bin ich das erste Mal die Prüfungssituation nachgefahren - mit positivem Ergebnis. Ein Fehlversuch, beim zweiten Mal alles Paletti. Es macht Spaß und ich ärgere mich ein wenig, dass ich nicht schon Anfang Mai die Prüfung mache. Um die Welt zu segeln, ist inzwischen zumindest vorstellbar geworden.
Einer anderen Übung war ich mir von Anfang an bewusst – und wohl doch nicht gewachsen. Menschen. So ein Segelkurs vereint sehr unterschiedliche Leute. Da sind die, die einem nach 5 Minuten sympathisch sind, mit denen man sich Segeltörns vorstellen kann, mit denen man vielleicht sogar befreundet
sein kann. Aber dann gibt es da auch die anderen, die bei denen man nach 10 Sekunden weiß, dass man es mit ihnen nicht allzu lange aushält. Was soll ich sagen: Wenn diese Herrschaften am Steg stehen, um mit mir ins Boot zu steigen, ist alle Vorfreude verpufft. Stattdessen denke ich nur daran, wie ich schnellstmöglich die Zeit totschlagen kann und um die Übungsstunde herum komme. Das Ganze hat nun zumindest einmal dazu geführt, dass ich bereits nach wenigen Minuten für meine Verhältnisse relativ barsch und natürlich in eigenen und diplomatischen Worten „Halt’s Maul“ meinem Gegenüber an den Kopf warf. (Zugegeben, wörtlich sagte ich während ich wohl seinen durchaus erfahreneren Kommandos (die er überhaupt nicht zu geben hatte) NICHT folgte: „Bleib mal ganz ruhig, wir brauchen noch ein paar Meter, das passt schon“, was nichts an der Bedeutung im oben genannten Sinne ändert)
Ich sage mir, es sind ja nur 2 Stunden und morgen schon wird jemand anders mit dir ins Boot steigen. Morgen wird es wieder Spaß machen. So richtig davon überzeugt bin ich aber nicht. Ich denke mir, vielleicht sollte ich, anstatt die Klappe zu halten und immer nur diplomatische Worte zu wählen, auch einfach mal meine Meinung sagen. Aber ich würde mir viel lieber selbst ein Boot mieten, den ein oder anderen aus meinem Freundeskreis mitnehmen, aber um Gottes willen kein Risiko eingehen und mit einem dieser Leute unterwegs sein, bei denen man Reibungspunkte bereits nach wenigen Sekunden feststellt.
Aber ich versuche das positiv umzuinterpretieren. In der Regel gehe ich Menschen aus dem Weg, die mich derartig stören. Auf dem Boot kann ich ihnen nicht aus dem Weg gehen und ich kann selbst beobachten, welche Eigenschaften es sind, die mich so sehr stören. Das ist nicht nur interessant sondern gut für die weitere Entwicklung meiner Menschenkenntnis. Vielleicht lerne ich dann auch, wie ich mit solchen Situationen besser umgehen kann. Tatsächlich scheint es eine Faustformel zu geben für Menschen, mit denen ich meine Probleme habe. Überheblichkeit, Besserwisserei, Hochstaplerei, gepaart mit einer großen Klappe und Arroganz bei gleichzeitigem Nichtskönnen und Nichtswissen und – wie ich heute merkte – Hektik sind die Gewürze, die mir sehr schwer auf den Magen schlagen. Ich mag es eher ruhig, ich mag Understatement, immer auch gesunden Selbstzweifel haben (natürlich bei gesundem Selbstbewusstsein), tief stapeln aber viel können und viel wissen. Ach und sagte ich schon „ruhig sein“?
Was ist die Lehre aus dem Ganzen? Wenn man sich nicht sicher ist, ob jemand zu einem passt, dann nimmt man ihn oder sie einfach mal eins, zwei Stunden mit aufs Boot und segelt ein wenig den Wannsee entlang. Wenn nach einer halben Stunde immer noch Sympathie da ist bzw. keine störende Situation aufgetreten ist, dann sollte man schleunigst über Dinge wie heiraten oder ewige Freundschaft nachdenken! Leute mit denen es früher oder später Probleme geben wird, werden dagegen spätestens nach zehn Minuten das erste Mal nerven!
Ich kann es nicht fassen. Heut soll der Tag sein, an dem ich zum ersten Mal die Segel dichtholen, Halsen und auch Wenden fahren werde. Der Segellehrer meint, es wäre heut ganz schön windig, das würden harte Bedingungen für die erste Stunde werden.
Zunächst mal zum Boot. Der Kahn ist vielleicht sechs, sieben Meter lang und aus Holz. Eine Art Riesen-Jolle. Motor? Wozu? Es gibt Paddel. Dumm nur, dass man um aus dem Liegeplatz zu kommen gegen den Wind paddeln muss. Unser Segellehrer macht es vor. In der Box noch paddelt er wie ein Verrückter, um uns klar zu machen, mit welcher Stärke wir gleich MINDESTENS paddeln müssen.
Ich mach mich bereit. Es geht los. Wie ein Berserker hacke ich durch das Wasser und ganz langsam kommt das Boot in Fahrt. „Wir haben Glück“, ruft der Segellehrer von hinten, der Wind sei gerade etwas eingeschlafen. Deswegen kommen wir auch in Fahrt.Wir machen am Poller weiter draußen fest, um in Ruhe die Segel zu setzen. Der Wind dreht. Falscher Poller. Wir brauchen den auf der anderen Seite vom Steg, um nachher auch mit dem Wind weg zu kommen. Also nochmal paddeln...
Dieses Mal ist der Wind gegen uns. Mit aller Kraft drehen wir rum, aber verpassen den anderen Poller. „Stärker paddeln“, grölt es von hinten, aber ich bin schon längst am Ende meiner Kräfte. Gott sei Dank ist weiter hinten noch ein Poller. Den erwischen wir gerade so.
Ich habe nicht gefrühstückt. Außerdem bin ich krank. Entsprechend beschäftigt ist mein Körper mit der morgendlichen Anstrengung und nach viel zu wenig Schlaf. Ich klappe beinahe ab, aber Gott sei dank bekommt das keiner auf dem Boot mit. Völlig erschöpft vom paddeln sitze ich erstmal und ruhe mich aus. Und sind wir mal ehrlich: Das war noch kein Wind! Was soll das noch werden...
OK. Ab jetzt wird alles gut. Segel setzen. Ich muss die Stagreiter am Vorstag festmachen. Ich mach einige falsch herum ran. Nochmal alles ab machen, zweiter Versuch. Leine verheddert. Dritter Versuch. Diesmal stimmt‘s. Jetzt soll ich das Groß setzen. Irgendwas klemmt, es ist sauschwer und ich bin noch vom paddeln völlig hinüber. Klemmstelle gefunden. Ich ziehe an dem Seil wie ein Irrer. Das Groß geht endlich hoch und sitzt. Puh. Splitter eingefangen. Daumen tut weh. Völlig erschöpft. Noch nicht einen Meter gesegelt.
Keine Ahnung was jetzt passiert ist. Der Segellehrer jongliert mit irgendwelchen Seilen und zaubert und plötzlich sind wir auf dem Wasser und gleiten dahin. Ich soll das Fock übernehmen, soll da irgendwelche Leinen spannen, also dichtholen. Wir fahren erstmal quer über den See, um ein Gefühl zu bekommen. Wahnsinn, wie allein der Wind uns so schnell beschleunigt und durchs Wasser gleiten lässt. Wahnsinn das Geräusch des Wassers, wie es am Schiffskörper bricht. Wahnsinn die Krängung des Bootes.
Inzwischen hab ich begriffen, was ich mit dem Fock anstellen muss. Halsen und Wenden am Fock sind jetzt kein Problem mehr. Inzwischen hab ich Handschuhe gefunden, sodass die Leinen meine Hände nicht aufreißen.
„Micha, jetzt bist du dran“ heißt es auf einmal vom Segellehrer. Ich muss an die Pinne und das Groß bedienen. Was mein Ausbilder nicht einschätzen kann, ist die Qualität meiner Steuerkunst, die ich bereits als Steuermann beim Rudern vorgeführt habe. Damals hatte ich nur ein einziges Mal die Verantwortung, ein Boot (einen Vierer) mit Siegchance bei einem großen Turnier an die Startlinie und nach Plan auch über die Ziellinie zu steuern. Dummerweise kam bei dem Weg zum Start ein Einer entgegen. Der war im toten Winkel. Und dann gab es einen großen „Ratsch“ und nur noch zwei halbe Einer...und einen Vierer, der das Turnier nicht mehr fahren konnte. 16.000 Mark Schaden. Das war das Ende meiner Karriere als Steuermann. Ich hab freiwillig das Handtuch geworfen.
Mit dieser Geschichte im Hinterkopf erblicke ich es schon, das erste Schiff auf Kollisionskurs und ich am Steuer. Woher soll ich denn wissen, wer jetzt Vorfahrt hat. Lee vor Luv, Backbordbug vor Steuerbordbug...was weiß ich denn, was jetzt wo ist und wer hier Vorfahrt hat. Der Kahn ist gefühlt schon zum greifen nahe. Könnte mir jetzt mal langsam einer sagen, was hier zu tun ist? „Wir sind ausweichpflichtig“, ruft der Segellehrer, der natürlich sofort die Situation überblickt hat. Krass. Wie macht er das?
An der Pinne muss ich auch die Manöver steuern und die Kommandos geben. Die Kommandos hätte ich mir aber besser noch einmal anschauen sollen. Ich bin völlig überfordert von den ersten Eindrücken. Ich seh noch wie nebenan gerade ein Segler in einer Böe gekentert ist. Und dann soll ich auch schon wenden. „Alles klar zur Wende“...weiß ich noch. Aber wie ging‘s dann weiter? Erstmal die Pinne falsch gelegt, Kommandos vergessen, alles durcheinander. Jetzt auch noch halsen. Was weiß ich denn, wie ich die Pinne legen muss,Keine Ahnung, wann ich auf die andere Seite kann. Ich will einfach nur geradeaus fahren in die unendlichen Weiten des Wannsees und der Havel. Irgendwie bekomm ich es hin. Der Segellehrer drückt mir seine Anerkennung aus, ich würde mich ganz gut anstellen bei den Windverhältnissen. Keine Ahnung ob er mir nur Mut machen will. Ich fühle mich völlig überfordert und hab keine Ahnung, wie ich es je um die Welt schaffen soll.
Trotz aller Überforderung, das Dahingleiten durchs Wasser und der Spaß, bei starker Krängung alles aus dem Boot herauszuholen und die Erkenntnis, ganz ohne Motorengeräusch und nur vom Wind getrieben das Motorboot rechts von uns zu überholen ist ein Wahnsinnsgefühl. Ich will mal wieder mehr. Viel mehr. Nach dem Anlegen schaue ich sobald als möglich auf meinen Terminkalender, um die nächste Segelstunde zu identifizieren. Überglücklich fahre ich ins Osterwochenende zu meiner Familie. Nur eine Woche bis zum nächsten Törn!
Die erste Hürde ist genommen. Theorie super bestanden. Der Praxis noch mehr ein Witz, als gedacht. Ich bin jetzt zwar alles andere als fit für die See, aber immerhin, den amtlichen Schein hab ich jetzt. Eigentlich Wahnsinn, dass damit Leute auf die See gelassen werden. OK, die Theorie ist schon etwas aufwändiger als ein Autoführerschein, Multiple-Choice-Fragen sind schon etwas anderes....aber fünf Minuten mit einem Motorboot ein bisschen auf dem Wannsee herumgurken ist dann doch etwas weniger, als ich mir vorgestellt habe. „Nehmt die Motorbootpraxis mindestens mal Zehn, und ihr wisst, was ihr beim Segeln an Grundpraxis braucht“, sagt der Segellehrer...Na ich hoffe doch!
In Meeresnot treibt ein winziges Boot Darinnen ein Junge - Thomas. Wenig Proviant, das Steuer zur Hand Kühn ist sein Blick Thomas. Die Eltern sind fern, er hatte sie gern, doch wegen der fünf so ein Riesentheater Das hielt er nicht aus, er lief weg von zu Haus. Später vielleicht, schreibt er Mutter und Vater:
Liebe Eltern, nun nach zehn Jahren will ich euch mal schreiben. Ich lebe. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr mich mal besuchen. Ich bin jetzt Häuptling beim Stamme der Hulakalufen. Euer Thomas P.S.: Ich habe euch verziehen
Die Nacht bricht herein, er mummelt sich ein, in Vaters Joppe Thomas. Ein Sturm zieht herauf, ein Haifisch taucht auf. Doch das alles schreckt nicht Thomas.
Als die dreizehnte Nacht, er hungernd verbracht, ist ein großes Schiff in der Ferne zu sehen. Wenn er sich nicht versteckt dann wird er entdeckt, wird niemals als Held ins Geschichtsbuch eingehen.
Hallooo! Hier spricht der Bordfunk. Ist da wer? Falls jemand auf dem Boot ist, melden sie sich! Wir helfen. Hallooo!!! Käpt'n ich melde, auf dem Boot ist niemand zu sehen, wir setzen die Fahrt fort.
Das Schiff zieht dahin im Boot unten drin liegt noch der Junge Thomas. Trotz schwindender Kraft er glaubt dass er's schafft der Meeresbezwinger Thomas. Zwei Tage drauf taucht sie vor ihm auf, die glückliche Insel der Hulakalufen. Eingeborene am Strand reichen stolz ihm die Hand Alle jubeln ihm zu er hört jemanden rufen:
Thomas! komm endlich aus der Wanne raus, Papa will auch noch baden. Leg das Schiffchen weg und trockne dich ab. Thomas....