Dienstag, 20. Juli 2010

Wind und Welle

Eigene Fotos hatte ich auf der Nordsee nicht gemacht. Aber die Crew hat ein paar rumgeschickt. Hier war es ganz schön windig und wellig, die für mich bisher extremste Segelerfahrung. Ich freu mich auf den Segelurlaub diesen Sommer und hoffe, dass nichts dazwischen kommt und hoffe für meine Crew, dass das Wetter nciht ganz so mies wird wie bei der Ausbildung!

Donnerstag, 10. Juni 2010

Jungfernfahrt mit Geli

Eigentlich war der Plan, das Boot möglichst früh in diesem Jahr ins Wasser zu lassen. April und Mai haben bereits wunderbare warme Tage, an denen man herrlich segeln kann. Einen Strich durch die Rechnung machte mir nicht nur meine enge Zeitplanung, sondern vor allem auch „Jack“, wie ich mal meinen „Johnson“ 4PS Außenborder mal nennen will. Der nämlich wollte nicht anspringen uns bescherte mir saftige Rechnungen: Für die Marina, weil ich nicht wegkam und für den Arzt für Jack.
Das bitterste aber war, dass ich Geli quasi den gesamten April und Mai nicht nutzen konnte. Die wenigen Wochenenden, die sowohl vom Wetter als auch von meinem Zeitplan her zum Segeln taugten, fielen aus, weil ich mich ohne Motor und ohne die Segel auch nur einmal getestet zu haben nicht allein auf das Wasser getraut habe. Schon das Navigieren in der Marina allein mit dem Paddel war mir zu risikoreich, da die Gassen eng und die Boote teuer waren. Als Papa dann paddeln helfen wollte, war der Wind viel zu stark. Im Nachhinein eine gute Entscheidung, dass wir es sein gelassen haben. Inzwischen weiß ich wie stark man paddeln muss um den Kahn zu bewegen. Wir hätten keine Chance gehabt und wären voll ans Land oder andere Boote geknallt.
Irgendwann Ende April war es dann endlich soweit: Der Motor funktionierte zwar immer noch nicht, aber um Kosten zu sparen wollte ich endlich rüber zum Liegeplatz, gerade weil auch eine Woche SKS-Törn anstand, in der ich nichts machen konnte. Der Plan: Morgens vor der Arbeit den Kahn rübersegeln. Moli hat geholfen. Gott sei Dank, denn es war quasi Windstille. Aus dem Segeln wurde Paddeln. Und für den einen Kilometer haben wir gute drei Stunden gebraucht. Spaß hat es dennoch gemacht.
Irgendwann im Mai dann war endlich auch Jack repariert. Und Ende Mai nach vielen stressigen und belegten Wochenenden rund um eine große Feier bei Moli war endlich Platz für die Jungfernfahrt. Ideale Windverhältnisse, nicht zu stark, aber ausreichend zum Fahren. Moli am Steuer – und es schien ihr richtig Spaß zu machen. Vor dem Grunewaldturm wurde geankert (Hurra, einen Anker habe ich auch an Bord gefunden!) und das schöne Wetter genossen. Und erst mit dem Sonnenuntergang sollten wir an diesem Tag wieder den Liegeplatz erreichen. Das Anlegen klappte erstaunlich gut – Dank dessen, was ich im SKS-Törn gelernt habe.
Jetzt im Juni, wo wieder viele Wochenenden belegt sind, habe ich einfach mal einen Tag in der Woche frei genommen, als das Wetter ideal war – und ich habe etwas für mich heftiges gewagt: Ich bin ALLEIN rausgefahren. Wenig Wind am Liegeplatz vermittelte mir die Sicherheit, das tun zu können.
Das Ablegemanöver war doch von größeren Ängsten gekennzeichnet. Der Wind kam von vorn und ich musste doch vorn zuerst losmachen. Dabei ist die Luvleine doch die letzte, die man losmacht. Gelöst habe ich das Problem mit Vorwärtsschub, sodass meine Achterleine zur Quasi-Luvleine wurde.
Das Segelsetzen war auch eine Herausforderung, klappte aber erstaunlich gut. Der Motor hält gut den Kurs mit etwas Gas ohne dass jemand am Steuer sitzt. Wenn der Wind schwächer ist schafft man es bequem, das Segel zu setzen.
Dann folgte entspanntes Einhandsegeln. Auch wenn ich ziemlich langsam unterwegs war, war es dennoch einfach nur schön. Ich rief beim Segeln Papa an, um von meinem Erfolg zu erzählen.
Am Grunewaldturm wurde der Wind aber auf einmal heftig böig. Viele Boote hatten 45° Krängung und ich mit meinem kenterbaren Jollenkreuzer nur noch Schiss. Ich ging auf Raumwindkurs und suchte eine windgeschützte Stelle zum Segelbergen und Ankern.
Als der Anker gefallen war machte ich mich mit der Funktion der Badeleiter vertraut. Herrlich warm das Wasser! Ich hatte tierisch Spaß. Aber irgendwie wäre es zu Zweit deutlich schöner gewesen!
Nun folgte noch das Anlegemanöver, vor dem ich große Angst hatte so ganz allein. Aber ich erinnerte mich an Jörgs Worte, der uns beibrachte, alles mit nur einer einzigen Leine zu machen. Und siehe da: Es funktioniert! Man braucht nur die achterne Luvleine und kann sich dann entspannt um alle anderen Leinen kümmern.
Jetzt bin ich ein echter Kolumbus auf der Havel!

Immerhin überlebt!

Zum tagtäglichen Davonträumen zählt für mich auch das Verfolgen einiger derer, die zumindest teilweise meinen Traum leben. Zweien ist jetzt der der BGAU passiert, der „beinahe“ größte anzunehmende Unfall.
Immer jünger werden die Weltumseglerinnen, die derzeitige Rekordjägerin hat es im indischen Ozean getroffen. Neun Meter Welle haben den Mast zerlegt, das EPIRB wurde wohl aktiviert, aber Mrs. Sunderland geht es gut.
Eigentlich hab ich immer gesagt, dieses EPIRB dient nur als Anzeige für die Angehörigen, dass man mit Sicherheit tot ist. Aber klar, wenn die Wellen die Takelage, alle Wanten und Stagen und Antennen wegsäbeln, dann ist da nichts mehr, mit dem man funken kann. Das EPRIB kann in so einem Moment recht hilfreich sein, wenn kein Satellitentelefon an Bord ist.
Mehr getroffen hat mich das Schicksal von Bernt Lüchtenborg, dessen Havarie mich am selben Tag wie das der Mrs. Sunderland über seine Homepage http://sail2horizons.com/ erreichte. Seit Monaten verfolge ich nun schon seine Reise in seinem Online-Blog. In seinem Buch bin ich eher ins Stocken geraten.
Ein Querschläger hat nach der erfolgreichen Kap Hoorn Rundung (im dortigen Winter!) sein Handgelenk verletzt und die Aries zerstört. Als es passierte war er gar nicht weit weg von der Position, bei der Johanna und Klaus, jene Protagonisten des fast wie eine Initialzündung wirkenden und mich fesselnden Buches zu ihrer Weltumsegelung, ihr Boot und ihr Leben verloren. In seinem Buch und auch bei seiner ersten seiner doppelten Weltumseglung hat Lüchtenborg auf Johanna und Klaus verwiesen, er kennt ihr Schicksal und denkt bei dieser Position wohl ganz natürlich an deren Schicksal.
Lüchtenborg hat sein traumhaftes Schiff an die Felsen des Beagle-Kanals verloren, nachdem der Wind zu stark für den Anker war und er versuchte das Schiff segelnd zu retten. Aber Gott sei Dank ist er wohlauf. Damit dürfte er allerdings einen Großteil dessen verloren haben, was Leben für ihn ausmachte, noch dazu der negative - wenn wohl auch selbst eingehandelte - Medienrummel. Ich habe großen Respekt vor ihm - egal wie viele Leute an Bord und wie viele Häfen er angelaufen hat - und habe gerade in den letzten Monaten oft darüber nachgedacht, dass wohl auch aus mir – wenn dann – eher einer dieser Einhandsegler (mit Ab-und-zu-Begleitung) werden wird, die irgendwie – wenn man den Büchern glaubt – spezielle und sonderbare Eigenschaften haben, die ich allerdings auch bei mir vorzufinden glaube.
Dennoch, einmal mehr sei ich gewarnt: Lass die Finger von diesem Kap Hoorn. Auch Skipper Jörg sagte: „Das mach ich nie wieder“. Ich will mein Leben nicht unnötig riskieren und hoffe, dass ich mich daran erinnere, wenn ich mal soweit bin, dass ich es theoretisch machen könnte. Kap Hoorn will ich mal sehen, die Antarktis auch, aber das soll nicht auf eigenem Kiel und auf gar keinen Fall allein sein.

Sonntag, 9. Mai 2010

SKS Extrem-Törn nach England…

…so zumindest stand es in der Werbeanzeige, die mich zu Buchung des Törns überzeugt hat. Und letzte Woche war es endlich soweit: Ich packe meine sieben Sachen und fahre rüber nach Holland, um die Leinen los zu werfen für ein stürmische Fahrt durch den Ärmelkanal. 8 Windstärken werden während meiner Anfahrt im Radio angesagt. Ich habe Schiss! Habe ich mir doch zu viel vorgenommen?
Ankunft. Unser Crew ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen unterschiedlicher Altersklassen, erstaunlicher Weise ist keiner von den Segel-Snobs dabei – alles pure Segelidealisten. Am Ende des Törns weiß ich, dass ich mit dieser Crew extrem Glück hatte!
Und dann der Skipper. Jörg heißt er und zählt nur die wichtigsten Dinge auf. Bei 100.000 Seemeilen hat er aufgehört zu zählen. Kap Hoorn hat er umrundet, die Welt mehrfach umsegelt, hat die großen Segelregatten dieser Welt mitgenommen und war bei jenem verhängnisvollen Rennen vor Australien dabei, als viele Yachten gekentert und viele Segler gestorben sind. Auch sein Boot warf es um und er überlebte in einer Luftblase im Schiff. Jörg ist ein echter Seebär und ich denke, ich kann einiges von ihm lernen.
Der Törn startet a
llerdings ganz anders als erwartet. Nach etwa 3 Seemeilen stellen wir einen Defekt in der Dieselleitung fest und müssen umkehren. Das Problem ist zwar schnell behoben, allerdings ist das notwendige ablaufende Hochwasser vorbei. Wir haben keine Chance mehr, rechtzeitig rauszukommen. Einen Tag später raus würde bedeuten, dass wir in einem Sturm mit 9 Windstärken geraten. Das will uns der Skipper dann doch nicht zumuten, auch wenn er unbedingt eine bestimmte Abbeize braucht, die es dort und nur dort in England zu kaufen gibt.
Wir sind uns schnell einig: Es muss nicht England um jeden Preis sein. Wir wollen lernen, mit dem Boot umzugehen, wollen auf die Nordsee, wollen den Tidenstrom erfahren und eine Nachtfahrt machen. Und neun Windstärken müssen nicht unbedingt sein, auch das meinen wir.
So fahren wir am ersten Tag auf dem Ijsselmeer herum, trainieren das Segel Setzen und Bergen, das Einreffen, das Ausreffen, das Wenden und das Halsen. Und bereits jetzt merkt jeder von uns, wo die Grenzen der eigenen Fähigkeiten liegen. Und ich lerne: Ich sollte aufhören, auf solchen Schiffen eine Halse wie auf einer Jolle zu fahren! Unglaublich welche Fehler ich gemacht habe. Nach einer Weile liegt der erste unter Deck und sorgt für Fischfutter! Am Ende des Tages fahre ich das Schiff, eine 38er Bavaria, in den Sonnenuntergang.
Nächster Tag. Frühes Aufstehen gehört zum Pflichtprogramm. Heute soll es raus gehen auf das Wattenmeer. Tide, Strömung, Versatz, enge Fahrwasser – es gibt viel zu beachten. Der Wind pfeift
ganz schön. Ein anderes Boot der Segelschule fährt nicht raus, zu stürmisch meint dort der Skipper. Aber Jörg ist anderer Meinung. Ziel ist dieses Mal eine Insel namens Texel. Für mich heißt das: Das erste Mal Schleuse fahren. Beim Anlegen stelle ich mich so richtig dumm an. So kommt es, dass ich von nun an alle Schleusen fahre.
Inzwischen h
ören wir von einem anderen Boot der Segelschule, die einen SSS-Kurs fährt, also einen deutlich höheren Schein zum Ziel hat, dass die Truppe bei Tonne Texel 1 umgekehrt ist – Texel 1 würde es immer entscheiden, lachen die Skipper. Es muss hart gewesen sein da draußen. Und mir wird klar, dass es vielleicht ganz gut war, nicht nach England gesegelt zu sein.
Raus auf dem Wattenmeer merkt man, wie groß der Unterschied ist zwischen Ijsselmeer und richtigem Meer. Wir haben Wind von achtern und üben das Halsen bis zum Gehtnichtmehr. Ankunft in Texel. Zur Belohnung kocht heute mal der Skipper – es gibt seine Spezialität: Labskaus, ein Seefahrergericht. Quer über dem Essen liegt ein extrem nach Fisch aussehender Fisch. Ha, und ich habe ihn gegessen, war gar nicht so schlimm. Matjes.
Am nächsten Morgen bläst immer noch ein stürmischer und kalter Nordwind. Aber Jörg will raus auf die Nordsee mit uns. Wir könnten auch zurück durchs Wattenmeer und Ijsselmeer. Aber er will unbedingt raus. Wir auch. Sieben bis acht Windstärken sind angesagt.
Anfangs geht es noch, doch mit der Zeit wird nach und nach den meisten schlecht. Das Labskaus kommt bei einigen zurück zu den Fischen. Die Seekrankheit macht sich breit an Bord und auch mein Magen signalisiert Unwohlsein. Wenn ich steuere, dann ist all das aber kein Problem. Die Wellen sind mittlerweile beachtlich – die anzusteuernde Hafeneinfahrt sehe ich nur, wenn das Boot oben auf einem Wellenberg ist. Jenseits dessen bin ich damit beschäftigt, fiesen Querschlägern auszuweichen.
Angekommen in IJmuiden geht es am nächsten Tag noch einmal raus auf die wellige Nordsee. Bei Seegang soll Manövertraining stattfinden. Das Arbeiten an den Winschen sorgt schnell für Übelkeit – auch bei mir. Irgendwann kehren wir um mit dem Wissen, wie weit unten unsere Grenzen lieg
en. Ich denke in Zukunft würde ich mit einer unerfahrenen Crew niemals mehr bei mehr als 5 Windstärken ausfahren.
Die anschließende Fahrt durch den Kanal nach Amsterdam und der Besuch der Stadt stimmt mich etwas melancholisch in Erinnerung an Vergangenes. Amsterdam ist immer eine Reise wert, die Grachten sind wunderschön. Aber das eigentliche Ziel ist für viele das Rotlichtviertel und die Kifferei – zwei Dinge mit denen ich reichlic
h wenig am Hut habe und die das Schöne der Stadt zerstören. Unsere Gruppe trennt sich und „meine Gruppe“ nimmt den Weg entgegen der Richtung zum Rotlichtviertel. Ich genieße mit den Jungs einen Café an einer der vielen Grachten. Schön!
Und wieder heisst es für mich: Schleuse - gleich zwei Mal hintereinander. Was dann folgt, ist die Nachtfahrt. Hier fahren wir gegenan und ich lerne zweierlei: Erstens, vor der Nacht muss ich keine Angst haben – im Gegenteil, es ist wunderschön durch einen Sternenhimmel zu segeln! Und zweitens bin ich irgendwann so müde, dass ich im Wiegen des Schiffes unter Deck einschlafe. Ein wunderbarer Schlaf. Ich kann also bei Fahrt unter Deck schlafen, eine wichtige Erfahrung, auch wenn der Seegang freilich gering war.
In der Nacht schließlich legen wir in Hoorn an, jenem Ort, nach dem auch Kap Hoorn benannt ist. Ein wunderschöner Ort. Mehr noch aber faszinieren mich all die Tiere: Im Hafen hüpfen überall Hasen herum, ebenso sind lauter Entenpaare unterwegs, die ihre frisch geschlüpften Küken beschützen. Und auch ein Fischreiher spaziert vor dem Fischladen herum und spekuliert auf Reste. Leider versaut mir ein Anruf von der Arbeit die Stimmung erheblich und ich freue mich bereits wieder auf See zu sein, um die Gedanken daran zu verdrängen. Draußen muss man einfach abschalten, weil man funktionieren muss.
Anschließend folgt noch einmal Manövertraining und die Überfahrt zum Prüfungsort nach Lelystad. Und wieder einmal heisst es: Micha ans Steuer, Schleuse! fahren! Die Prüfung gelingt schließlich – die Theorie hatte ich ja bereits einen Monat zuvor geschafft. Damit habe ich den nächsten Schein! Wie bereits bei der Theorie, so stellt sich aber auch nach bestandener Praxis kein Glücksgefühl ein. Seltsam. Anschließend segeln wir noch nach Enkhuizen, um unsere bestandene Prüfung bei Spare ribs unlimited zu feiern. Es wird spät an diesem Tag und nach nur 5 Stunden Schlaf brechen wir um 7 Uhr auf zum Heimathaven Stavoren auf.
Am Ende des Törns bin ich - wie alle anderen an Bord - total übermüdet und völlig fertig. Ein bisschen war das wie Armee. Jetzt bräuchte ich eine Woche Urlaub. Gelernt habe ich wahnsinnig viel auf diesem Törn. Nicht nur, wie man die Segel richtig setzt und wie man das Schiff besser einschätzt, wie man auf großen Schiffen Wenden und Halsen fährt und wie schwer das MOB-Manöver bei rauer See ist. Nein, viele Male wurde einfach auch herrlich gelacht. Skipper Jörg hatte viele Geschichten zu erzählen. Die Müsli-Schüssel wurde zur Weltkugel für die Wettererklärung, Feuerzeuge zu Schiffen bei der Erklärung von Hafenmanövern, Arme wurden zu Leinen um deren Wirkung zu erklären und das Bilgenbrett wurde zur Windsteueranlage. Bei all seinen Geschichten habe ich einfach nur zugehört und versucht, mir so viel wie möglich zu merken. Herrlich! Ich habe auch gelernt, wie man richtig die Leinen wirft, wie man sich nicht an der Winsch verletzt und mit welcher Technik man am besten an- und ablegt. Und auch, mit welcher Technik man sich diverser Körperflüssigkeiten bei Seegang sicher entledigt.
Aber ich habe auch meine Grenzen kennengelernt. Ob ich es um die Welt schaffen werde, weiß ich weniger denn je. Mir wird klar, wie gefährlich das Chartern im letzten Jahr war – mit einer viel zu minderwertigen Ausbildung. So ein SKS-Schein sollte die Basis für Charter-Segler sein. Inzwischen weiß ich aber auch, dass ich weiter an meinem großen Traum arbeiten kann, da bin ich mir sicher. Und auch was die Kostenseite angeht, meint Weltumsegler und Streuner Jörg, dass man mit geringeren Budgets ebenfalls ein gutes und sicheres Schiff bekommen kann. Skipper Jörg und seine Geschichten waren es also, die mich meinem Ziel ein Stück weit näher gebracht haben in einer Zeit, in der sich immer mehr Zweifel einschleichen.

Sonntag, 18. April 2010

Hurra, es schwimmt, verdammt – es fährt nicht!

Der Plan war straff: 7 Uhr aufstehen, 8:00 losfahren zum Winterlager des Bootes, 9 Uhr dort ankommen, bis 10 Uhr letzte Arbeiten am Boot machen und losfahren. Gegen 12:00 an der Marina ankommen, bis 13:00 warten, dann slippen. 14 Uhr Schlüsselübergabe zum Liegeplatz, 15 Uhr Termin mit dem Bootsbauer zum Maststellen.

In Wirklichkeit sah es dann so aus: 7 Uhr aufgestanden, brauchte aber noch etwas vom Segelladen und kam nicht dazu, es die Tage vorher zu besorgen. Der Segelladen macht erst 9 Uhr auf. Schnell noch eine Arbeitsemail klargemacht, komme erst 9:10 an, bin 9:22 wieder raus. Der Stadtverkehr ist dicht, komme erst um 11 beim Boot an und gegen 11:45 weg. Ankunft an der Marina 14:20: 20 Minuten zu spät für die Schlüsselübergabe, 1,5 Stunden zu spät zum slippen. Dann geht alles ganz schnell, der Kahn ist im Wasser und tatsächlich: Es schwimmt. Das Boot ist im Weg und soll woanders hin, ich werde rüber geschleppt, währenddessen kommt Papa an und staunt über den Kahn, den er sich allerdings etwas größer vorgestellt hat. Irgendwann kommt der Bootsbauer und zeigt mir wie man den Mast stellt, allerdings fehlt ein wichtiger Bolzen, der sich erst nach dem Mast Stellen anfindet. Als das getan ist, versuche ich den Motor in Gang zu bekommen. Bis auf ein paar „Keucher“ entschließt sich dieser jedoch, sich keinen Mucks zu bewegen. Die Zündkerzen kann ich nicht prüfen, da ich keinen Kerzenschlüssel habe, geschweige denn Ersatzzündkerzen. Inzwischen ist es 18 Uhr und somit auch der Bootsmotorspezialist im Wochenende. Nächste Chance: Montag.

Am Wochenende bekomme ich den Motor auch nicht auf Trab. Und mit nur einem Paddel traue ich mich nicht so richtig heraus. Ich beschließe den Montag abzuwarten und hoffe auf eine bessere Lage.
Aber immerhin: ich habe etwas Entscheidendes gelernt: Den Mast zu stellen und auch wieder zu legen war vergleichsweise einfach. Um nichts zu vergessen hab ich es mal aufgeschrieben:

1. Wanten anschlagen. Da ich vordere und achterliche Wanten habe, muss ich darauf aufpassen, welche Wanten ich wo anschlage. Die außen laufenden Wanten sind die vorderen. Ganz einfach also. Ich muss aber aufpassen: Die Drähte dürfen sich nicht verdrillen.

2. Wo ist beim Mast vorn und wo ist hinten? Nun ja, Vorne beim Mast ist dort, wo die Seitenträger nicht abgeknickt sind. Diese müssen vielmehr schräg nach hinten abgeklappt sein.

3. Den noch quer über dem Schiff liegenden Mast nach hinten (er ist achtern von der Badeleiter abgestützt) verlegen, sodass der Fuß am Stutzen ist.

4. Bolzen in die achterliche Halterung des Mastfußes einsetzen

5. Während einer in Position kurz vor dem Niedergang den Mast hochklappt, zieht der andere am Vorstag den Mast hoch. Dieser bewegt sich wie eine Tür in der Angel am Fixpunkt des eingesetzten Bolzens am Mastfuß. Das müsste eigentlich fast ganz allein gehen, da der Mast aufgerichtet seitlich durch die bereits angeschlagenen Wanten gehalten wird.

6. Der Mast steht nun, Vorstag wird festgemacht.

7. Nun wird das Achterstag festgemacht. Hierzu den Schäkel am Drahtseilende Backbords einrasten, dann Steuerbordschäkel (das ist der mit Flaschenzug am Seilende) setzen. Nicht zu fest ziehen!

8. Der Baum wird eingehangen, die Großschot fungiert als Dirk.

9. Gegen das Herumschleudern des Großbaums kann dieser mit einem dafür vorgesehenen Schäkel am Achterstag festgesetzt werden.

Klingt doch ganz einfach oder? Zum Mast legen müsste es dann genauso andersherum gehen.

Montag, 29. März 2010

Ein Kolumbus auf der Havel

In einem anderen Artikel der Kategorie „Wie alles anfing“ machte ich die Bemerkung, dass ich schon seit frühester Kindheit diesem Traum hinterherjage, dem Traum um die Welt zu segeln. Doch was ist nun der wirkliche Ursprung all dessen? Ein Großvater, der die Weltmeere unsicher machte? Das Familiensegeln mit meinen Eltern? Sehnsüchtiges Verweilen auf der Landkarte?
Nun ja, einen Großvater hatte ich nie. Und meine Eltern waren begeisterte Camper, hatten mit dem Segeln jedoch nichts am Hut. Meine Leidenschaft für Landkarten entdeckte ich erst so richtig im Geographieuntericht in der 3. oder 4. Klasse.
Nein, die Ursache für alles liegt vielmehr in einem Kinderbuch, das mir wahrscheinlich meine Eltern geschenkt haben, als ich vielleicht 7 oder 8 Jahre alt war. Viel jünger kann ich nicht gewesen sein, denn mit 7 bin ich in die Schule und erst dort habe ich das Lesen gelernt. Viel später kann es auch nicht gewesen sein, denn bereits mit neun Jahren habe ich mich als Ruderer versucht, obwohl ich doch damals eigentlich schon eben wegen dieses Buches Segler werden wollte.
Heute, wahrscheinlich um die 25 Jahre später, hab ich dieses Buch ein zweites Mal gelesen. Erinnerungen hatte ich dabei nur an wenige Details. Aber dem Zauber, den das Buch auf mich hatte, wollte ich noch einmal auf den Grund gehen.
Die Geschichte ist einfach: Papa Oskar und Tochter Nannerl planen die Revolution gegen die Mama, die im Urlaub immer nur in die feinen Hotels will. Dieses Mal setzen sich die beiden durch – Vom mühsam Ersparten wird ein Segelboot gekauft. Im nächsten Urlaub soll es auf die Müritz gehen.
Die Abenteuer sind zahlreich: Zunächst gibt es viel über das Segeln und die eigentümliche Seglersprache zu lernen. Der vermeintliche Klabautermann huscht nachts mit seinem Mantel über das Deck. Eine schlechte Dichtung sorgt für Wassereinbruch und Sinkgefahr. Der Archimedes, der Außenborder, muss repariert werden. Und eine Flaschenpost warnt vor einer tödlichen Gefahr. Schließlich muss jemand im Sturm auf der Müritz vor dem Ertrinken gerettet werden.
Ich habe keine Ahnung, warum ausgerechnet dieses Buch einen solchen Traum schon so früh auslöste…Vielleicht war es das Schwärmen für das Abenteuer großer Seefahrer, auf das man immer wieder im Text stößt. Vielleicht waren es die Schiffe aus Hamburg und das entfernte Amerika, wovon im Buch die Rede ist - für mich im Osten Deutschlands aufgewachsen damals unerreichbar und Fernweh auslösend. Vielleicht war es aber auch der liebevolle Grundriss des Segelbootes im Buchumschlag, der mich als Kind sehr faszinierte und über den ich stundenlang saß und mich davon träumen ließ, wie ich es mir in diesem Boot gemütlich machte. Sicher weiß ich dagegen eins: Seitdem ich dieses Buch gelesen hatte, zog es mich aufs Wasser. Und das sah damals so aus:
- Poesie-Alben waren zu dieser Zeit in Mode. Eine Ehre war es für mich, dort hinein bei ganz ausgewählten Freunden schon von der Weltumsegelung zu schreiben.

- Ein kleines Ruder-Schlauchboot diente mir im Campingurlaub an irgendeinem See in Tschechien zum stundenlangen Umhertreiben auf dem Wasser. Mit etwa 15 war ich wohl zu groß für dieses Schiff und habe es im Bassin meiner Eltern im Garten kaputt bekommen.

- Meine Eltern mussten mir unbedingt eine Wassersportkarte zu den Gewässern der DDR kaufen. Ich weiß noch wie ich in den Karten blätterte und meine Route klarmachte und mich wegträumte

- Tante Gretel aus dem Westen war immer besonders nett zu mir. Als kleiner Knirps saß ich irgendwann mal auf ihrem Schoß und berichtete stolz davon, dass ich sie ja mal mitnehmen kann auf meinem Schiff wenn ich groß bin.

- Ich wollte endlich auf Booten fahren. Papa wollte mich unterstützten und berichtete von seinem Arbeitskollegen, der nebenbei noch im Ruder-Club aktiv war. Fortan war ich im Ruderverein aktiv. Doch eigentlich wollte ich doch zu den Seglern – wohl auch deshalb war wohl mein Ruder-Engagement nicht besonders erfolgreich. Zu kurz, zu schmächtig, als Steuermann hat es am Ende gereicht, aber dazu hatte ich nicht das notwendige große und vor allem laute Mundwerk. Naja, und dann war da jener verhängnisvolle Tag, an dem ich bei einem Turnier den Vierer mit Siegchanche steuern durfte und auf dem Weg zur Startlinie einen Einer halbierte. Das war es dann mit der Karriere als Ruderer. Ich hab zwar noch etwas weitergemacht, aber mit diesem Ereignis wohl bereits innerlich abgeschlossen. Wer weiß, vielleicht wäre ich jetzt schon Olympiameister im Segeln, wenn Papa jemanden beim Segelverein gekannt hätte.

So viel zu den Kindheitserinnerungen. Und so viel dazu. wie sehr dieses kleine Buch mich schon als Kind beeinflusste. Und nun habe ich schon lauter Segel- und Funkscheine gesammelt, hab Rügen umsegelt, hab mir ein Boot gekauft und einen Extrem-Hochseesegeltörn gebucht. Und ich schreibe diesen Blog. Und bald werde ich selbst ein Kolumbus auf der Havel sein. Heftig, wie sehr Kindheitserlebnisse und ein kleines Büchlein prägen können.

Samstag, 13. März 2010

Falsche Adresse

Voller Vorfreude dackele ich an einem Samstag zum Segelverein meiner Wahl, der mir einen kostengünstigen Liegeplatz angeboten hat. Ich stehe am Steg und begrüße alle. Den Herrn, mit dem ich verabredet bin, kennt hier jedoch niemand. Und dann kommt da auch noch jemand, der verantwortlich ist für die Liegeplätze. Von meinem Anliegen weiß dieser Herr nichts und weist mich etwas barsch ab. Auch er kennt den Herrn, den ich gerade noch am anderen Ende der Leitung hatte, nicht.
Jetzt habe ich die Nase voll und rufe durch. Mein Gesprächspartner teilt mir mit, er sei am Steg. Auch ich bin am Steg, aber sonst niemand. Ich sage, also ich sei hier am **** Segelverein. Nein, ruft es am anderen Ende, wir sind doch der **** SegelCLUB. Alles klar!
Gott sei Dank ist es nicht weit. Auch wenn mein Boot nun im Stößensee und nicht in der Scharfen Lanke liegen wird. Das ist aber eigentlich auch fast noch besser, finde ich, nachdem ich die überaus netten Leute vom **** SegelCLUB kennengelernt habe.

Freitag, 19. Februar 2010

Ich gebe es ja zu, ich war schockiert, als ich von den monatlichen Liegeplatzgebühren in Höhe von 100-150 Euro pro Monat am Wannmeer erfuhr. Beinahe dachte ich schon, dass der Wunsch vom eigenen Schiff deshalb scheitern wird. Mit etwas Sturrsinn und nach intensiver Recherche bin ich nun jedoch fündig geworden und werde deutlich weniger als 100 Euro zahlen. Die Sache ist perfekt und ich liege ab April am Wannmeer gleich um die Ecke vom Ort meiner Ausbildung entfernt. Nagut, es ist nur die Scharfe Lanke, aber die ist fast noch besser. Und wie ich bei der Ausbildung gemerkt habe, ist dies der perfekte Schiffsliegeplatz in Berlin - gut erreichbar mit dem Auto und auch öffentlichen Verkehrsmitteln und an der Startpiste für die lange Gerade nach Süden - Ich freue mich resig auf den Sommer und auf die hoffentlich vielen Stunden auf dem Wasser.

Samstag, 30. Januar 2010

boot 2010

Dank der Sonderangebote bei verschiedenen Fluglinien war es mir geglückt, preisgünstig zur boot nach Düsseldorf zu fahren. Dies sind die Erlebnisse eines Menschen, der in seinen Träumen in Gegenden vorstößt, in dene nie zuvor ein Mensch geträumt hat. Wir schreiben Samstag, den 30.1. 2010 um
5:30: Der Wecker rasselt. Warum hatte ich eigentlich diese bescheuerte Idee, heute nach Düsseldorf zu fliegen. Sind ja doch alles bloß Boote, die ich mir wenn überhaupt erst in zehn Jahren werde leisten können. Aber gut, ich raffe mich auf, so ein Ausflug ist ja irgendwie auch Abenteuer. Dummerweise fährt die S-Bahn heute nicht bis zum Flughafen durch, dadurch muss ich eine halbe Stunde früher aufstehen
6:22: Pünktlich verlasse ich nach dem Frühstück und Duschen das Haus. Ich bekomme die S-Bahn um rechtzeitig am Flughafen sein zu können. Auf der Fahrt schlafe ich mehrere Male fast ein.
7:25: Ankunft am Flughafen. Ich stelle mich an den Sicherheitskontrollen an und denke mir, ich hätte mal früher kommen sollen. Es ist ganz schön voll. Als ich schon e
inige Minuten nach der eigentlichen Einstiegszeit endlich dran bin, kommt die verhängnisvolle Durchsage: Mein Flug hat eine halbe Stunde Verspätung. Dadurch gerät der Zeitplan wahrscheinlich aus den Fugen, da ich den Anschlussbus, der mich von der Ryanair-Interpretation eines Düsseldorf-Flughafens zur Messe bringt, verpassen werde.
10:30: Ankunft in Weeze. Der Flieger hat 1:10 Verspätung. Nicht nur der Bus ist weg, nein, auch mit dem Zug wird es knapp. Der fährt in 15 Minuten vom Bahnhof in Weeze. Der Shuttlebus fährt ein. Es strellt sich heraus, dass der noch 20 Minuten wartet. Der Taxifahrer erzählt mir was von 10 Minuten Fahrt. Zu spät. Ich schaff den Zug nicht und muss noch eine Stunde warten.
11:15: Ankunft in Weeze, Bahnhof. Ich hoffe auf ein Café in Weeze, denn mein Magen grummelt und verlangt nach Nahrung. Es gibt kein Café. Es gibt nichtmal einen Bahnhof, also mit Dach drüber und Heizung. Es gibt nichts. Ich gehe in die "Stadt", um eventuell einen Bäcker zu finden und mir die Zeit zu vertreiben und die Fü
ße warm zu halten. Ich finde auch einen Bäcker, bekomme aber nur ungläubige Blicke, als ich wegen fehlender belegter Brötchen wieder umkehre. Auf dem Rückweg zum Bahnhof spricht mich ein Dorfbewohner an: "Guten Morgen" - Blödes Dorf denke ich.
13:15: Düsseldorf, Messegelände: Boooooootteeeeeeee!
14:00 auf der Messe: Ich bin völlig überwältigt von der Vielzahl der Eindrücke. Die Yachten, die ich bisher nur aus den Segelzeitschriften kannte, standen auf einmal vor mir. Schiffe, bei deren Anblick ich von meiner großen Reise träume. Erst wage ich es gar nicht so recht, mir die Boote von innen anzuschauen, aber deshalb bin ich ja da sage ich mir irgendwann. Und dann entere ich alle Boote die mir gefallen. Von den großen Marken bin ich eher enttäuscht. Dufour, Bavaria...Es sind eben die "Golfs" im Yachtbau. Dass man eine Halberg-Rassy nicht schlecht finden kann, war nicht anders zu erwarten. Aber dass ich Hunter-Yachten gut und preisgünstig finde, ist großartig - mit diesen Teilen kann man durchaus ein passables Schiff zum günstigen Preis bekommen. Mein Lieblingsschiff wird eine Moody 45 classic, dicht gefolgt von einer Nauticat 441 und etwas später eine Sirius 35 DS. Alles in allem brauche ich 275-600 Tsd. Euro. Ich entschließe mich, mal wieder Lotto zu spielen.
16:00: Ich bin in Halle 6 und will noch einmal bei den Superyachten vorbeischauen. Dort erwartet mich jedoch ein seltsames Publikum. Die Besucher gehen größtenteils erhöht und außen in der Halle einmal herum. Auf den Booten sitzen Superreiche mit Verkäufern beim Champagner, während die verwöhnten Kinder auf dem Boot rumturnen. Manchmal begegnet man einigen dieser "höheren" Leute...sie pflegen es, einem keinen Blick zu würdigen. Ein ekelhaftes Publikum.
17:00 Zurück in den Segelhallen schaue ich mir noch einmal die von mir an der Ostsee oft beobachtete Haber 800 an - taugt nichts. Ein letztes Mal mache ich mich außerdem über die Moody 45 classic her, die es mir richtig angetan hat. Das dunkle Holz, die großen Räume...Toll!
Schließlich mache ich mich auf nach Köln, von wo aus mein 20 Euro Rückflieger startet. Mit Unmengen von Prospekten in der Tasche und völlig müde vom langen Tag freue ich mich darauf, noch etwas zu lesen und zu träumen. Der Flieger dreht eine eher unübliche Ehrenrunde über Berlin, ich genieße den nächtlichen Ausblick auf den Potsdamer Platz und den Alex. Auf der Suche nach einer guten Geschäftsidee zur Traumerfüllung verlasse ich in meinen Gedanken den Tag und falle zuhause in tiefen Schlaf.

Freitag, 22. Januar 2010

Fisch gegessen!

Ernährung ist ein nicht zu verachtendes Problem bei so einer Weltumsegelung. Sicher, man kann versuchen, sich wochenlang während der Ozeanüberquerungen von Reis oder selbstgebackenem Brot zu ernähren. Da ich aber kein Vegetarier bin, könnte mir diese Kost etwas zu eintönig werden mit der Zeit. Aber es gibt ja immerhin das Meer – und im Meer leben Fische. Und Fische kann man fangen und essen. Das zumindest sollte für den Durchschnittsweltumsegler gelten.
Ich allerdings esse keinen Fisch. Schon der Geruch verdirbt mir jeden Appetit. Und bei den bisherigen Versuchen habe ich das Fleisch einfach nicht herunter bekommen. Nicht einmal Fischstäbchen wollten mir schmecken. Das Problem muss kurz oder lang gelöst werden. Also habe ich beschlossen, nach und nach den Fischverzehr zu probieren.
Erster Versuch: Sushi essen. Wir bestellen uns an einem Abend Sushi. Ich will soft anfangen und nehme nur die in nach Fisch riechenden Algen eingewickelten Hühnchenteile. Richtigen Fisch kann ich ja dann von Mo probieren. Allerdings sind die nach Fisch schmeckenden Algen rund um mein Hühnerfleisch das höchste der Gefühle, das ich bis dahin herunterbekomme.
Zweiter Versuch: Silvester in Tallinn. Zur Feier des Tages gehen wir in den Peppersack und ordern das Silvesterdinner. Vorspeise: Seelachs. Es gelingt mir, den Geschmack des Fleisches auf einem Brot und mit Unmengen von Knoblauchbutter zu überlagern. Stolz bin ich, nachdem ich 50% des Fisches auf dem Teller im Magen habe. Mir wird nicht schlecht. Auf der Weltumsegelung also genug Knoblauchbutter mitnehmen.
Dritter Versuch: Letzten Freitag bei meinem Lieblingsvietnameser. Auf der Tageskarte steht unter anderem ein Pangasiusfilet. Ich bin mutig und nehme es und entscheide mich damit gegen Hühnchen.. Das Zeug schmeckt extrem unfischig und ist richtig lecker. Ja mehr noch, ich mag das zarte Fleisch regelrecht. Das kann man essen! In meinen Plänen bin ich bereits dabei, diesen Pangasiusfisch auf den Weltmeeren zu fangen und mich so über die Durststrecken der Ozeanüberquerung zu retten.
Doch dann das: Auf wikipedia erfahre ich Folgendes: „Der Pangasius (Pangasianodon hypophthalmus) ist ein Süßwasserfisch aus der Familie der Haiwelse oder Schlankwelse (Pangasiidae), der die Flusssysteme des Mekong und Chao Phraya in Thailand, Vietnam, Laos und Kambodscha besiedelt.“ So ein Mist, blöder Süßwasserfisch!

Donnerstag, 21. Januar 2010

Extrem-Praxistörn nach England.

Wiedereinmal kaufte ich mir eine dieser Segelzeitschriften, irgendwo auf irgendeinem Flughafen, auf denen ich in diesen Tagen wieder öfter verweile. Wochen später bin ich durch mit dem Lesen und bleibe im Kleinanzeigenteil hängen. Und da finde ich Worte, nach denen ich lange gesucht habe. "Extrem" Segeltörn. SKS-Praxisausbildung auf der Nordsee. Perfekt denke ich. In einem schwierigen Gewässer "Extrem"-Erfahrung machen.
Ich schaue mir die Internetseite dieses Vereins an. Es soll durch den Ärmelkanal gehen, schön viel Verkehr also. Inkl. Nachfahrt. Ich gehe davon aus, dass man vieeeeele Lichter sehen wird die man dann den Schiffen zuzuordnen versuchen kann. Aber die Kursbeschreibung macht mir noch etwas Sorge. Also rufe ich an und frage, ob das mit meiner Erfahrung überhaupt machbar ist. Ja, sagt die Dame am Telefon. Außerdem seien noch Plätze in der von mir eigentlich für den Ostsee-Sks-Törn reservierten Urlaubswoche frei.
Und dann hab ich nicht mehr lange überlegt und gebucht. Perfekt! Ich bin happy! Und eigentlich träume ich schon davon, dann mir einen kleinen Untertraum zu erfüllen: mit dem gecharterten Boot zum geliebten Helgoland. Mal sehen, ob und wann das was wird.

Dienstag, 5. Januar 2010

Silvesterträume

Es geht auf den Jahreswechsel zu. Mo und ich haben schon seit langer Zeit einen Trip nach Tallinn und Helsinki geplant und auch gebucht. Ich hatte schon immer mal eine Rundreise in dieser Gegend überlegt, am besten mit dem Schiff. Man könnte die baltischen Republiken abfahren, bis nach St. Petersburg und dann noch nach Helsinki.
Wir verbringen die meiste Zeit in Tallinn und fahren einen Tag auch rüber nach Helsinki. Ich weiß nicht ob es an den minus 20 Grad lag, aber Helsinki gefällt mir am Ende nicht so sehr. Ich bin froh, dass wir den größten Teil unseres Aufenthaltes in Tallinn verbringen, eine wahrlich traumhafte Stadt, die ich zuletzt in der Kindheit besucht hatte. Erinnerungen gab es bis auf das Hotel Viru und an einen uns damals vermutlich abgestellten Stasi-Offizier kaum. Insofern war es ein echtes Neuentdecken. Besonders zu empfehlen sind die Speisen und die Aufmachung der Olde Hansa (http://www.oldehansa.ee/).
An die Segelei erinnert mich dann aber ausgerechnet ein Moment in Helsinki. In einem viel zu schlecht beheiztem Kutter schlürfen wir am Hafen einen Kaffee. Nebenan am Markt habe ich eine Postkarte gekauft, auf der an derselben Stelle ein Segler im Sommer angelegt hatte. Ebenfalls nebenan steht ein Großsegler, umfunktioniert als Restaurant. Das arme Schiff. Ich beschließe, die geplante Reise irgendwann nachzuholen, mit dem eigenen Segelboot rund Tallinn, Helsinki und St. Petersburg. Hier an der Kaimauer in Helsinki nämlich will ich auch mal anlegen. Wann auch immer. Es ist schön, wieder einmal zu träumen.

Freitag, 13. November 2009

SKS-Kurs

Wieder Winter. Kein Segeln möglich, es sei denn ich investiere in einen viel zu teuren Flug in die Südsee. Also entschließe ich mich, weiter zu machen, weiter Scheine zu sammeln. Eigentlich war der Plan, direkt den SSS zu machen, aber meine Segelschule riet davon ab. Naja, dachte ich, die werden schon wissen was sie sagen. Also entschließe ich mich, den SKS-Kurs zu machen.
Die Theorie, nun ja. Man lernt genau in der ersten Stunde etwas Neues. Alles andere ist altbekannt. Die Berechnung von Beschickung durch Wind und Strom ist so ziemlich das einzig neue, was ich während des gesamten Kurses gelernt habe. Natürlich sind die Kartenaufgaben etwas umfangreicher, aber sie machen richtig Spaß. Das ist irgendwie wie Praxis in der Theorie. Aber die Entscheidung, wegen des „deutlich umfangreicheren Stoffes“ den SKS nicht zu überspringen, die kann ich bisher nicht teilen. Man kann den SKS überspringen, das weiß ich jetzt. Machen werde ich es wohl nun trotzdem nicht, da ich dann anders hätte zeitlich planen müssen. So bin ich etwas unzufrieden mit dem Rat der Segelschule.
Unzufrieden bin ich auch damit, dass die Praxistörns auf der Ostsee stattfinden. Ausgerechnet das einzig neue am SKS, die Beachtung von Gezeiten, kann man so nicht trainieren. Außerdem würde der Törn in einer wohl eher wenig befahrenen Gegend der Ostsee stattfinden. So richtig überzeugt mich der Kurs demnach nicht.
Hinzukommt, dass ich mit der Lernerei nicht vorankomme. Mein Leben hat sich irgendwie verändert. Ich habe viel weniger Zeit als früher. Ich komme zu nichts mehr. Auch der Besuch der Bootsmesse in Berlin klappt nicht. Auch zum Lesen von Segelbüchern bleibt keine Zeit. Das wirft mich zurück in meinem Traum. Mir fehlt Motivation, weiter zu machen.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Bootsbesitzer!

Vielleicht bin ich etwas naiv, vielleicht etwas überstürzt. Aber ich konnte nicht widerstehen – ich habe zugeschlagen, denn ich war sofort verliebt in Sie – GEIL…ääähhh GELI ihr Name. Sechs Meter Kunststoffwanne gehören jetzt mir. Wahrscheinlich hat mich der Verkäufer etwas geblendet, der mir irgendwie sympathisch war. Vielleicht war es auch ganz objektiv der Zustand des Bootes, der deutlich besser war, als alles andere was ich für ähnliches Geld vorab besichtigt habe.
Angefangen hat es mit etwas Träumerei im Spätsommer. Es wäre genial dachte ich mir, wenn man im nächsten Sommer ein eigenes Schiff hätte und nicht für jede Bootsbenutzung in Form einer Chartergebühr bestraft wird. Wahrscheinlich komme ich teurer damit. Ziemlich sicher aber auch viel öfter aufs Wasser. Aus der Träumerei wurde abendliches Herumklicken auf Bootsbörsen. Und daraus wurden Bootsbesichtigungen. Daraus Recherchen der Liegegebühren und Versicherungen. Und nun ist ein Schiff daraus geworden.
Naja, ein Schiff ist sie vielleicht nicht – aber für das Binnenrevier ist so ein Jollenkreuzer ziemlich optimal würde ich sagen. Die Kabine bietet Platz für ein Mini-Wohnzimmer samt Tisch, die Bug-Schlafkabine reicht ebenfalls für Zwei, samt Dachluke. Die Hundekojen sind perfekt als Stauraum für Gepäck geeignet. Und die Plicht ist ziemlich groß und wunderschön!
Und die Verarbeitung? Nun gut, man sieht dem Boot sein Wesen des Gebrauchtbootes an. Der Plan war ja, im Winter ein wenig dran schrauben zu können. Viel Zeit habe ich nicht, von daher ist ein ausgedehnter Zeitraum ideal. Aber wenn ich nicht so viel Wert auf Schönheit lege, kann ich nach einem frischen Unterwasser in der nächsten Saison loslegen. Und vielleicht lerne ich so auch, ein Boot auseinander und danach wieder zusammenzuschrauben. Jetzt heißt es erst einmal: 5 Monate warten auf die Wasserung. Mein Blut ist voll von Glückshormonen, das muss Kaufrausch sein.

Sonntag, 13. September 2009

Sturmbezwinger!

Es ist Nacht. Zwar will uns das Schiff mit seinen sanften Bewegungen in den Schlaf wiegen, doch ich bin längst hellwach. Das Geräusch, das mich weckte, kam mir vom letzten Törn nur allzu bekannt vor. Im Rigg nämlich schlagen lose Leinen an die Wanten und an den Mast. Dazu pfeift es durch das Rigg. Ganz klare Sache: Der Wind wird immer stärker. Und immer wieder prasseln kurze Schauer über das Deck. Das kann ja morgen was werden, denke ich mir noch und träume auf einmal wieder von günstigen Winden und dem Schaukel auf dem Meer.
Es ist morgens und wir stehen auf. Dicke Regenwolken hängen über uns. Frühstück gibt’s nur unter Deck, denn draußen regnet es immer wieder. Dann machen wir alles klar zur Abfahrt. Die Klamotten werden gesichert. Die Route eingegeben. Ich verlängere die luvseitigen Vorderleinen, um nachher kontrolliert aus der Box zu kommen. Unsere Liegeplatznachbarn haben dieselbe Idee und helfen mir. Wir kommen kurz ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass sie unseren Windschatten noch für das Ablegemanöver nutzen wollen. Gerne warten wir und gucken zu – vielleicht lernen wir ja noch etwas!
Unsere Nachbarn kommen mit dem Heck in den Wind aus unserem Windschatten, drehen weg und mit der Nase zu uns. Gerne springe ich ein und drücke sie von unserem Boot weg. Ich kenne das ja nur zu gut...Und dann sind wir dran. Es gelingt ein perfekter Ableger.
Wir haben Nordwind, der uns auf Raumwind- und Vorwindkurs recht sicher nach Haus bringen wird. Ich entscheide, nur das Groß zu setzen – In Erinnerung an die Fahrt von Hiddensee nach Stralsund ist es mir nichts, das Genua zu setzen. Der Plan geht au
f und wir haben gute Fahrt bei stabilem Kurs.
Weiter draußen wird es ungemütlicher. Die Wellen werden immer höher. Ab und zu kommt eine Riesenwelle vorbei und ich bin immer noch etwas unsicher, wie ich sie aussteuern soll. Ab und zu drehe ich mich um und sehe Mo’s herrlichen Blick nach achtern. Dort nämlich glitzert die Sonne im Wasser, der Himmel ist oft blau und man sieht genau, wenn eine Welle näher kommt. Ein schöner Anblick. Und ich fange an zu träumen, wie es wohl wäre, auf dem Ozean und mit Autopilot selbst diesen Blick genießen zu können.
Irgendwann drehe ich mich mal wieder um und sehe nun keinen blauen Himmel mehr, eher eine krasse Regenfront. Der Wind nimmt nicht zu, die Wellen auch nicht. Ich denke mir, ach das wird nur nass und gut ist. Als es anfängt zu regnen sage ich meine Mannschaft, dass sie gern runter gehen kann.
Doch was ist nun los? Nicht nur Regen, nein auch heftigster Wind schlägt auf einmal ins Segel. 30, 35, 38 Knoten misst der Windmesser auf einmal, und wir haben achterlichen Wind, der gemessene scheinbare Wind ist also noch etwas schwächer als der wahre Wind.
Irgendwann müssen wir auf Halbwind wechseln. Der Wind drückt uns von backbord kommend ganz schön auf die Seite. Dazu kommt die See von de
rselben Seite und versetzt unsere Caro ordentlich in Bewegung. Endlich kann ich irgendwann an der Greifswaldtonne wieder auf Raumwindkurs gehen.
Ein ziemlich großes Schiff tutet auf einmal und will vorbei. Ich mache Platz, muss dazu aber halsen. Und das bei diesem starke Wind. Die Halse sieht ganz schön unkontrolliert aus, aber gut, sie gelingt und das Segelschulschiff kann passieren. Und dann geht es heim.
Kurz vor der Hafeneinfahrt in Wiek beordere ich meine Mannschaft an Deck zum Segelbergen. Etwas grün im Gesicht wird aller Mut zusammengenommen und meinem Befehl gehorcht. So muss eine gute Mannschaft sein! Allerdings stelle ich fest, dass es nur unter Genua zu fahren deutlich besser gewesen wäre. Dann nämlich hätte ich ganz allein die Segel bergen können. Und unkontr
ollierte Halse hätte es auch nicht gegeben.
Dann hat es ein Ende mit der Schaukelei. Unter Motor tuckern wir auf die Wieker Brücke zu und machen fest. Wieder ein Törn vorbei – und es wird der letzte dieses Jahr gewesen sein. Nachdem uns ein Schauer beim Ausräumen des Bootes noch ordentlich eingenässt hat, kommt pünktlich zum Abstieg aus dem Boot dei Sonne durch. Prima, lieber Wettergott!
Was habe ich d
ieses Mal gelernt? Nun ja, Mannschaftsführung gehört immer noch zu meiner größten Schwäche. Ich erkläre zu wenig. Das muss sich ändern. Außerdem muss jeder an Bord eine Klampe belegen können, das wird wohl in Zukunft die Matrosenprüfung werden. Bei stärkerem Wind sollte man kein Groß setzen, das bekommt man nämlich nicht so leicht wieder herunter, vor allem nicht, wenn man allein ist. Also in Zukunft schön unter Genua in den Wind, wenn‘s zu heftig wird. Und zu guter letzt: Ein größeres Boot ist gar nicht so problematisch, solange man es noch per Hand abstoßen und bewegen kann.
Und nun im Winter? Jetzt steht der nächste, höhere Segelkurs an. Außerdem die Bootsmessen in Berlin und Düsseldorf. Und eine kleine Jolle soll angeschafft werden, für wunderbare Wochenenden am Wannmeer. Und es gibt noch viele Bücher zu lesen! Ich denke so lässt es sich den Winter über aushalten!

Samstag, 12. September 2009

Absegeln!

Eigentlich war der Plan, im Spätsommer noch einmal mit meinen Eltern über ein Wochenende per Boot auf Reisen zu gehen. Dumm nur, dass ich mit ihnen damals bei schwerstem Wetter auf einem kleinen Kutter nach Helgoland unterwegs war. Was wir damals erlebten, davon berichten wir heute - gut zehn Jahre später - immer noch wieder gern: Bei in Böen zweistelliger Windstärke wuchtete sich das Schiff durch die Wellen, immer wieder stürzte es in die Wellentäler. Aus dem Bullauge erblickten wir meistens nur Fische – und wenn es denn mal über Wasser war, regnete es Übelkeitsauswürfe von ein paar Wahnsinnigen, die sich bei diesem Wetter die Gischt an Deck ins Gesicht spritzen ließen.
Irgendwie jedenfalls hatten sie wohl ein mulmiges Gefühl – zu Recht, wie sich später zeigen sollte. Erstmal gemütlich auf einem See, das wäre vielleicht noch drin gewesen. Aber aufs Meer, worauf ich mich schon sehr freute, das ging nicht. Aber für ein Segelabenteuer findet sich schnell Begeisterung. Und so stand dem Törn in anderer Besatzung nichts mehr im Weg. Der Plan: Greifswald ist ein perfekter Ausgangshafen für einen Kurztörn übers Wochenende. Für jede Windrichtung und jede Vorhersage gibt es nämlich ein Ziel, das auch problemloses Zurückkommen ermöglicht.
Für unser Wochenende war Nordwestwind angesagt. Von den vielen Optionen entschieden wir uns für eine Überfahrt nach Lauterbach auf Rügen. 15 Seemeilen, auch wenn wenig Wind ist, sollte das zu schaffen sein.
Das Schiff: Die Caroline, eine Hanse 315. Sie war deutlich größer als das letzte Boot. Mir war etwas mulmig, ob ich mit diesem Boot klarkommen würde. Schon der Aufstieg war sehr beschwerlich und erforderte größten körperlichen Einsatz beim Erklimmen der Bordwand, die bestimmt 1,50 m hochragte. Eine Treppe? Gabs nicht!
Hinzu kam dickster Nebel – Bei Nebel würde ich nicht auslaufen, dachte ich mir. Schließlich habe ich keinerlei Erfahrungen mit Radargeräten. Um elf Uhr aber legte sich der Spuk und es konnte losgehen.
Ablegen. Die Erinnerungen an den l
etzten Törn machten mir große Sorge vor diesem Manöver. Timing ist so essentiell wichtig. Würde ich alles richtig machen? Vorderleine auf Slip gelegt, so weit wie möglich an Luv nach hinten ziehen, dann bereit machen zum rückwärts rausfahren, die Leinen lösen und ab geht’s. Das war der Plan.
Real sah das so aus: Die auf Slip gelegte Vorderleine war zu kurz, um Rückwärts in Reichweite des Boxenpollers zu kommen. Nach dem Lösen der achterlichen Luvleine, sofortiger Rückwärtsfahrt und dem Kommando „Leinen Los“ hingen wir an Lee noch immer an der Achterleine fest. Schöne Scheisse. Warum hab ich Idiot die nicht zuerst losgemacht? 3/4-quer in der Box hängend kann ich unter fieren der Leeleine das Schlimmste verhindern, komme aus der Box frei und lege mich quer an die achterlichen Poller zur Boxenbegrenzung. Nun in Ruhe die Leine losmachen und losfahren. Gerade noch einmal gut gegangen.
Dann hinter der Wiecker Brücke auf dem Meer. Segel setzen. Meine Besatzung reißt am Großfall mit allen Kräften, aber nichts tut sich. Ich kann es kaum glauben und zerre selbst an der Strippe. Nichts. Ich muss aufs Deck und nachsehen und
entdeckte fiese Halteleinen, die das Aufziehen des Groß verhindern. Weg damit, aber es geht immer noch sehr schwer. Die Ursache: Die Reffleinen sind noch drin. Raus machen, locker ziehen, Großfall immer wieder durchziehen. Irgendwann steht das Groß…nach gefühlten 60 Minuten. Und dann folgt Flaute.
Es ist ja ganz nett, bei absolut keinem Wind im Spätsommer ein paar Sonnenstrahlen abzubekommen, aber so gar kein Wind wird dann doch etwas nervig. Irgendwann reicht mir die Ruhe und ich schmeiße den Motor an. In etwas Entfernung habe ich so etwas wie Wind auf dem Wasser entdeckt. Und tatsächlich: eine kleine Brise wehte hier und bescherte uns rasche Fahrt.
Amwindkurs. Der Wind wurde immer stärker, die Wellen auch. Es kommt Bewegung ins Boot. Wir müssen kreuzen und die Windseite wechseln. Dann kommen die Wellen eher seitlich und noch mehr Bewegung im Boot ist zu erwarten. Gesagt, getan. Und tatsächlich fängt es jetzt richtig schön zu schaukeln an. So langsam wird mir auch etwas mulmig, denn der Wind wird immer stärker. Endlich sind wir lang genug quer gefahren, sodass ich den Kurs ändern kann. Dann wird die Genua reingeholt und nur unter Groß gefahren. Die Bewegung im Boot ist zurück gegangen, die Geschwindigkeit kaum.
Wir nähern uns Lauterbach und es wird merklich ruhiger. Segel bergen klappt auch bei etwas stärkeren Winden prima, nun das Schwerste: Einparken.
Ich suche einen Platz mit viel Freiraum nach Lee
, falls wir am Bug die Leine nicht herumbekommen und abdriften. Zunächst klappt alles prima. Die Achterleinen werden beidseits um die Poller geschwungen. Wir kommen super vorne an. Aber leider verfehlt die Vorderleine den geplanten Punkt. Wir hängen nach Lee quer in den Seilen. Wenigstens der Plan mit dem Sicherheitsabstand nach Lee zum nächsten Boot ging gut auf.
Beim Querliegen bin ich nicht schnell genug beim Belegen der Klampe und schon passiert es. Die Finger zwischen Klampe und Seil, das steifkommt. Es quetscht, es fließt Blut. Dazu noch ist an Lee die Leine im Wasser und droht sich um die Schraube zu wickeln. Schnell Leerlauf, Leine ins Boot. Und dann Eindampfen um die Nase herumzubekommen. Der Plan gelingt. Und andere Segler helfen uns beim Festmachen. Ich bin enttäuscht, dass ich es wieder nicht hinbekommen habe, aber immerhin ging der Plan zum Sicherheitsabstand gut auf.
Nun liegen wir im Hafen, gehen abends noch einen Trinken und sind fertig vom Tag. Es braucht nur ein kleines Bier um mich völlig betrunken zu machen. Ich ordere danach nur noch einen Kaffee. Ein wunderschöner Tag war das! Morgen allerdings sind 5-6 aus Nord angesagt. Böen bis 80km/h. Ich hab etwas Schiss.

Samstag, 15. August 2009

Barcelona

Auf Google Maps im Satellitenmodus sehen Städte aus wie Krebsgeschwüre. Auch wenn die Natur gewaltig und schön ist, so zieht es mich bisweilen jedoch auch immer wieder in genau diese Krebsgeschwüre hinein. Und ein schon lange bestehender Traum war das Krebsgeschwür mit Namen Barcelona.
Von der großartigen Architektur hatte ich gehört. Von gotischen Kirchen und von der verspielten Architektur Gaudis. Vor allem aber wollte ich die Sagrada Familia mal mit eigenen Augen sehen.
Aber Barcelona hat noch etwas viel besseres: Tolle grüne Gärten, und Parks die ganz und gar keine Krebsgeschwüre sind und: Das Meer. Nach langen Stadterkundungen gehen wir an den Strand und genießen es, im warmen Mittelmeer baden zu gehen. Das Wasser ist unglaublich klar. Ich fühle mich pudelwohl.
Auf dem Weg zwischen Strand und Innenstadt kommt man auch am Yachthafen vorbei. Ganz langsam muss ich hier entlangwandern und träumen und mir vorstellen, wie ich wohl einmal hier liegen werde – bei meiner großen Mittelmeerrundfahrt versteht sich.
Ich bekomme Fernweh, wenn ich die exotischen Yachtnamen lese, die an den mit mir bisher völlig fremden Mooringleinen befestigten Schiffen sehe: Asiatische Namen, die ich nicht entziffern kann, kyrillische Buchstaben, alle möglichen Flaggen. Ob die deutsche Flagge meines Schiffs wohl auch mal jemand exotisch finden wird, wenn ich nicht mehr im Heimathafen liege...?

Freitag, 31. Juli 2009

Weltum...ähhh...Rügenumsegler!

Um für einen Erholungsurlaub unglaubliche 7 Uhr holt uns der Wecker aus den Träumen. Wir haben nur wenig Zeit, bis die Rügendammbrücke öffnet. Verpassen wir die Öffnung, wird es knapp, rechtzeitig in Greifswald zu sein. Also schnell alles klarmachen, ordentlich frühstücken und dann los die Leinen. Beim Kaffeeschlürfen merke ich wie immer mehr Boote schon ablegen und wir gefühlt die letzten sind. Etwas Stress macht sich breit. Aber wie immer hat mich meine Wahrnehmung getrübt.
5-7 Bft. sind angesagt, etwas viel wie ich finde. Nach einem perfekten Ableger haben wir noch einige Zeit auf dem Wasser zu warten, bis die Brücke öffnet. Was sich dann über die nächsten zwei Stunden bietet, ist ein herrlicher Anblick. Dutzende von Urlaubern setzen hinter der Brücke ihre Segel und fahren den Strelasund in Richtung Osten. Wir mitten drin. Sooo viele Segel! Es sieht ein wenig aus wie eine Regatta.
Der Wind ist gnädig. Es sind deutlich weniger als 5 Bft würde ich sagen. Und er kommt schön aus West. Das bedeutet für uns entspanntes Vorwindsegeln. 4-6 Knoten zeigt uns unser GPS als Geschwindigkeit über Grund an. Die Wellen wiegen uns ganz sanft, was in Verbindung mit dem Weckerrasseln um 7 Uhr unglaublich müde macht.
Am Ende sind wir viel zu schnell nahe Greifswald, wir haben noch Zeit! Also drehen wir noch einmal um und kreuzen zurück und fühlen noch einmal Wind und Wasser beim Amwindkurs. Das Schiff arbeitet noch einmal. Und wir grinsen über beide Backen.
Nun ist es auf einmal doch Zeit, umzudrehen. Die Strecke, die wir in einer gefühlten Ewigkeit gegen den Wind gekreuzt haben, ist auf Vorwindkurs eins fix drei vorrüber. Und plötzlich sind wir vor der Brücke in Wieck…Wie schade! Vorbei!
Nachdem wir durch die Brücke fuhren legten wir noch einmal perfekt an. Boot noch einmal klarmachen ist der Plan. Und ein Eis essen! Gesagt getan! Ich schiesse noch einmal ein paar letzte Fotos von unserer Momo kurz vor der Abgabe. Dann gelingt beim Vercharterer zweimal, einmal an der Tankstelle und dann im „Parkplatz“, ein perfektes Anlegemanöver.
Anders als viele andere bleiben wir die Nacht noch auf dem Boot und fahren erst am nächsten Tag nach Haus. Abends fahren wir noch ans Meer und gucken uns Wieck an, nachdem wir das Boot halbwegs hergerichtet haben. Wir nehmen Abschied vom Meer. Und nach einer viel
zu kurzen Nacht und einem letzten Blick aufs völlig ruhige Meer geht es auf nach Haus.
Ich hätte nicht gedacht, dass es bei meinem ersten Törn rund Rügen gehen würde. Eigentlich dachte ich, es geht ein wenig die Müritz auf und ab. Wenn‘s hoch kommt, dachte ich, nehmen wir das Achterwasser von Usedom mit und fahren zum Stettiner Haff. Aber einmal ganz um Rügen und das offene Meer…Das ist schon was. Rund 150 Seemeilen Erfahrung liegen nun hinter mir. Nicht viel, aber ein guter Anfang. Gelernt habe ich in dieser Zeit unglaublich viel…vor allem dass es weiter gehen wird, dass es mich in meinem Masterplan bestärkt. Welt, du kannst kommen! Inzwischen habe ich bei der Segelschule den nächsten Segelkurs gebucht…

Donnerstag, 30. Juli 2009

Der härteste Ritt!

Es ist vier Uhr. Der Wind pfeift durchs Rigg und ich kann beim besten Willen nicht schlafen. Andauernd hab ich das Gefühl, eine Leine könnte sich lösen und der immer noch stark auflandige Wind drückt uns irgendwo gegen. Natürlich hab ich luvseitig doppelt Leinen gelegt. Es sollte alles sicher sein. So richtig vertraue ich der Sache aber nicht. Hinzukommen die 15 cm unterm Kiel…Was, wenn der Pegel sinkt?! Aber der Tiefenmesser gibt Entwarnung.
Acht Uhr. Der Wecker rasselt. Noch einmal zum Strand und Abschied nehmen von dieser wunderbaren Insel. Dann so schnell wie möglich weg von diesem ungeschützten Liegeplatz. Es gelingt ein perfektes Ablegemanöver aus der Box.
Der Wind kommt inzwischen aus Süd. Das ist genau die Richtung, in der unser Ziel Stralsund liegt. Der Motor wird heute wohl anbleiben. Zudem setzt Regen ein. Hauptsache wir bleiben in der Fahrrinne, denke ich mir.
Es schwimmt komisches Zeug im Wasser, es sieht aus wie herausgerissenes Schilf. Einmal kann ich nicht mehr ausweichen und fahre genau durch. Im gleichen Moment geht die Drehzahl unseres Motors extrem herunter. Das Zeug muss sich um die Schraube gewickelt haben. Schnell stoppe ich, fahre kurz Rückwärts, in der Hoffnung das Zeug löst sich wieder. Beim Vorwärtsgang merke ich: der Plan ging auf.
Der Win
d dreht auf Südwest. Ich habe die Idee, zur Unterstützung des Motors das Fock zu setzen. Guter Plan – Geschwindigkeitsverdoppelung. Irgendwann machen wir den Motor aus. Aber warum wird dieser verfluchte Wind immer stärker? Nur unter Fock laufen wir fünf Knoten am Wind, manchmal auch bei halben Wind. Warum legt uns der Wind jetzt nur unter Fock eigentlich auf gefühlte 60° auf die Seite? Warum kreuzen hier so viele Seenotrettungskreuzer. Wir haben etwas Schiss. Es muss irgendein Düseneffekt sein, der durch die kleine Öffnung zwischen Hiddensee und dem Darß entstehen muss. Irgendwann wird es zu hart. Wir haben zu sehr Sorge und beschließen, alle Segel zu bergen und unter Motor weiter zu fahren. Allerdings nehmen wir beim Schiessen in den Wind beinahe eine Sandbank mit, irgendwie waren wir schon ein Tonnenpaar weiter als gedacht.
Endlich im geschützten Stralsunder Hafen. Wir legen ganz außen an der Mole an. Die Momo ist etwas zu klein für den Platz, aber dank zahlreicher Fender sollte das hier kein Problem darstellen. Wir beschließen den Tag mit einem Rundgang durch Stralsund. Uns wird klar, dass morgen unser letzter Tag auf See ist und Melancholie macht sich breit. Aber ich lasse mir nichts anmerken und schrubbe erst einmal ordentlich das Deck. Danach schenkt uns der Wettergott einen wunderbaren Abendhimmel, der nicht oft genug fotografiert werden kann.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Plumps - oder Lehrstunde Teil II

8 Uhr morgens. Wir müssen früh los, die Strecke ist verhältnismäßig lang. Also wieder mit dem Wecker raus aus den Federn. Beim Frühstück besprechen wir bereits das Ablegemanöver. Auf keinen Fall wollen wir uns so dumm anstellen, wie tags zuvor beim Anlegen. Wir sind nervös. Nach und nach legen die benachbarten Schiffe ab. Das ist gut so, wer weiß, was dieses Mal alles schief geht.
Bevor wir ablegen bemerken wir noch den Verlust des Schwimmkörpers am Bootsschlüssel. Und noch schlimmer, Steckschot und Schloss sind ebenfalls abhanden gekommen. Das wird Kautionsabzug geben. Gott sei Dank hat das irgendjemand gefunden und beim Hafenmeister abgegeben.
Und jetzt ist es soweit: nachdem die letzten Details besprochen sind, lasse ich den Motor an. Der Diesel brummt, die Leinen auf Slip. Es kann losgehen.
Und schon passiert es. Anders als der Wind es vermuten lässt, driftet das Boot am Bug in genau die andere Richtung als die geplante. Schuld muss die Strömung sein. Die vermeintliche Leeleine hat mein erster Maat gelöst und wir treiben ab. Ich rufe noch so etwas wie „schnell zurück“, will dass die Leine wieder das Boot an Land hält. Mein Maat will schnell an Land springen und Plumps….landet im Wasser. Großes Hafenkino. Wir hängen schräg in der Box, sodass die vermeintliche Luvleine uns hält.
Gelächter und Schock sind groß. Die Sachen nass. Es dauert einige Beruhigungsminuten, bis wir einen neuen Versuch starten. Dieses Mal geht alles glatt. Am Ende lachen wir darüber, am Ende sagen wir, dieser blöde Hafen in Lohme hat uns viel beigebracht. Und wir sagen, dass wir hier garantiert nicht mehr herfahren.
Endlich auf See. Seltener Ostwind. Wir beschließen, wegen des Ostwindes Rügen rudn zu machen und nach Hiddensee zu fahren. Beinahe Flaute, aber langsam kommen wir Kap Arkona näher. 2,3 Knoten zeigt das GPS. Die nassen Sachen vom Hafenbad hängen über der Reling zum trocknen.
Ganz langsam schleichen wir an Rügens Norden vorbei, an Kap Arkona und an überfüllten Stränden. Ich bin ganz froh, dass wir hier etwas ungestörter sind. Ich genieße die Ruhe und das dahingleiten. Vom baden halten mich heute aber die zahlreichen Quallen im Wasser ab.
Dann am Nordwestzipfel Rügens biegen wir in die Einfahrt zwischen Hiddensee und Rügen ein. Wir erkennen schon lange den markanten Leuchtturm von Kloster. Durch die Kursänderung sind wir nun auf Halbwind und rauschen mit gemütlichen 4-5 Knoten dahin und spüren den Wind. Es ist ein wenig wie die Ruhe vor dem Sturm. Ich habe etwas Sorge, da man von den Wasserstraßen zwischen Hiddensee und Rügen nicht abweichen darf – links und rechts davon sind 30 cm Wassertiefe schnell erreicht. Aber das stellt sich als absolut unproblematisch dar.
Wir sind spät dran. Und dabei wird mir klar, warum diese Segler so verdammt früh aufbrechen. Nicht nur, dass dadurch bessere Windverhältnisse existieren, nein, auch die Häfen sind nicht so voll. Für uns ist hier in Vitte jedenfalls kein Platz mehr. Nach einer perfekten Wende auf engstem Raum machen wir uns auf zum Berufsschifffahrtshafen. Da finden wir Platz…beim Anglerverein. „Anlegen verboten“ – das Schild entdecken wir erst nach unserem ersten perfekten Boxenanlegemanöver. Nach ein paar Telefonaten steht aber fest: Wir dürfen liegen bleiben und sollen dem Schlosser etwas zustecken. Nur der Tiefenmesser bereitet mir etwas Sorge…nur 15-20cm unterm Kiel…
Wir beschließen den Tag, indem wir am herrlichen und einsamen Hiddenseer Strand nach Muscheln und Bernstein suchen. Der Strand von Hiddensee bedeutet mir irgendwie sehr viel. Ich mag es, die Strandkörbe anzusehen, die markante Landschaft anzuschauen, mag es, dass es nicht so voll ist…Und ich erinnere mich an einige schöne Momente hier, an denen es mir einfach nur gut ging. So wie jetzt wieder…Die Seele baumeln lassen…das kann man hier gut.
Zur Feier des Tages gehen wir in meinem Lieblingsrestaurant Essen. Eigentlich macht die Küche gleich zu, aber wir bekommen durch unsere Überredungskunst noch etwas. Ich esse Gemüseauflauf, hmm, lecker. Toll, was man aus Resten für ein schmackhaftes Gericht machen kann.

Dienstag, 28. Juli 2009

Der kurze Ritt nach Lohme - oder Lehrstunde Teil I

Bis Lohme ist es nicht weit, denke ich, das schaffen wir alle Mal. Einfach nur um die Kreidefelsen herumsegeln und dann gemütlich festmachen, das war der Plan. Deswegen haben wir auch Zeit und schlafen erstmal richtig aus. Gegen 11 krieche ich aus den Federn.
Wir gehen gemütlich einkaufen. Postkarten stehen auf dem Zettel, ebenso Sonnencreme und Sanddornlikör.
Wir treffen noch einmal unseren netten Bootsnachbarn, der uns stolz von seinem Friseurbesuch erzählt. Ihn zieht es beim heutigen Westwind nach Swinemünde – die deutsche Mentalität war ihm nicht so geheuer. Also belässt er es wohl bei einem Tag hier im Land. Er fragt uns nach unserem Ziel und gibt die hohen Wellen und den Gegenwind zu bedenken. Keine Ahnung woher er das wissen will.
Beim Ablegen ist er längst weg, aber da sind noch zwei andere, die gerade ablegen wollen. Da sie uns gestern geholfen haben, helfen wir ihnen heute. Sie stellen sich als ähnlich erfahren wie wir heraus. Noch dazu sprechen sich die beiden gleichaltrigen und eher als Paar wirkenden mit „Sie“ an. Wir bekommen einen kleinen Streit zwischen den beiden mit. Und noch dazu halten wir die Planung ihres Ablegemanövers für wenig geeignet. Nun gut, wir helfen diesen etwas sonderbaren Menschen und denken uns unseren Teil. Dann sind wir dran mit dem Ablegen – uns hilft keiner.
Ist auch gut so, denn mir gelingt ein bilderbuchreifer Ableger bei auflandigem Wind. Dann geht’s Richtung Kreidefelsen.
Zunächst ist es gemütliches Segeln. Auf Halbwind kommen wir gut voran. Aber wir müssen um die Ecke herum und dabei wird der Wind stärker. Wir reffen, was gar nicht so einfach ist. Wir holen sogar das Fock ein, weil es uns zu windig wird. Und verdammt, woher kommen diese hohen Wellen? Und woher wusste das der nette Mann aus Bornholm/Schweden? Wir ziehen das Fock wieder aus und spielen mit den Wellen. Es fängt an, tierischen Spaß zu machen. Wir reiten die Täler aus und surfen die Wellen hinunter. Ein Riesenspaß. Aber um unser Ziel gegen den Wind zu erreichen müssen wir kreuzen. Nach einer Wende kommen die Wellen von der Seite, was mehr Bewegung ins Boot bringt und das Sicherheitsgefühl schwinden lässt. Aber auch daran gewöhnt man sich.
Nach ein paar Stunden ist die Hafeneinfahrt von Lohme in Sichtweite. Wir sind gut vorbereitet, zuerst die Heck-Luvleine und dann der Rest. Das ist der Plan. Mal sehen. Und dann passiert es.
Ich entscheide mich für die erste freie Box mit Sicherheitsabstand in Form eines freien Platzes zum nächsten Schiff nach Lee. Ich versuche die Achterleine luvseitig über den Poller zu werfen. Es gelingt nicht. Am Bug kommen wir aber gut an. Wind und auch Strömung sorgen nun für ein Desaster. Unser Heck dreht weg, auf einmal liegen wir quer am Steg. Gott sei Dank ist die Momo so kurz, dass der eingeplante Sicherheitsabstand ausreichte. Ich habe keinen Plan, wie wir das hinbekommen sollen…Nur dank der zahlreichen und aufopferungsfreudigen Hilfe der anderen Segler am Steg schaffen wir es irgendwie. Irgendwann allerdings bemerke ich einen grimmig guckenden Herren am Nachbarboot. Als wir endlich zur Ruhe gekommen waren resümierte er noch einmal mit äußerst unfreundlichen Worten unser Anlegemanöver. Eigentlich wollte ich zu diesem Zeitpunkt nur noch weg aus Lohme.
Nachdem der Schreck und das Gemecker von Nebenan verarbeitet war, ging es an den wunderbaren steinigen Strand von Lohme. Es gibt hier viele weichkantige hohe Felsen, die zum verweilen in der Abendsonne einladen. Zur Krönung des Tages wird der Sanddornlikör getrunken.

Montag, 27. Juli 2009

Invasion der Schwebfliegen

Für meine Verhältnisse krieche ich früh aus dem Bett. Aber alle anderen sind längst schon beim Klarmachen des Bootes. Heute ist Traumwetter angesagt. Nicht zu windig, Sonne satt, Viele wollen ins Achterwasser. Das war auch unser Plan, wäre da nicht Lars gewesen. Lars meinte, es wäre an einem Tag perfekt nach Sassnitz zu schaffen. Die Verlockung ist groß. Und da das Wetter nicht schlimm wird, beschließen wir, nach Sassnitz zu fahren.
Wir kommen viel zu spät los und sind sehr aufgeregt wegen unseres zweiten Ablegemanövers. Das klappte eigentlich ganz gut, aber da alles ganz schnell gehen musste, konnten wir die Leinen nicht ordnungsgemäß über die Poller legen…Naja, die werden sich ihren Teil denken.
Bei leichtem Wind platschen wir mit 4 Knoten Richtung Rügen. Je näher wir kommen, desto weniger Wind haben wir allerdings. Bei einer notwendigen Kursänderung auf Vorwind spürt man nichts mehr vom Wind. 2,6 Knoten zeigt das GPS noch an. 2,2….2,0…1,8 So schaffen wir es nie nach Sassnitz. Außerdem werden diese lästigen Schwebfliegen immer mehr. Da will man sich gemütlich in die Sonne legen und etwas braun werden, aber alle paar Sekunden setzt sich eine dieser Schwebfliegen irgendwo auf die helleHaut. Nicht einmal Fotos gelingen, weil sich die Mistbiester auf die Linse setzen. Ich erkläre ihnen den Krieg und versuche sie zu verjagen. Die ebenso zahlreichen Marienkäfer und Schmetterlinge dürfen hingegen bleiben. Die machen es sich nämlich nicht in meinem Gesicht gemütlich.
1,2 Knoten Fahrt. Nun ist Schluss. Motor an. Eine Stunde lang tuckeln wir um die Südspitze Rügens in der Hoffnung auf mehr Wind. Dann glaube ich etwas zu spüren, aber vorher will ich noch baden gehen – die Sonne hat mich bisher nur in Schweiss baden lassen. Verflucht, ist diese Ostsee kalt. Der Badespaß ist allerdings schnell vorbei, nachdem sich meine Mannschafft ausgerechnet an der Badeleiter stark verletzte…
Nach dem Baden ist etwas Wind zu spüren. Auf Halbwind werden wir bis Binz getragen und haben gute vier Knoten Fahrt. Dann sehen wir schon Sassnitz. Mit inzwischen auf Süd gedrehtem Wind und somit Vorwindkurs und etwas weniger Fahrt steuern wir ganz langsam aufs Ziel. Schade, dass der Törn schon wieder vorbei ist.
In Sassnitz gelingt uns ein ganz guter Anleger. Einem anderen Boot machen wir noch Platz und bekommen dafür sogar eiskaltes Bier von dessen Crew. Und wir lernen einen netten älteren Herrn kennen, der vor uns fest gemacht hat und auch aus Berlin kommt. Mit ihm kommen wir gut ins Gespräch. Er erzählt uns, dass er seit 3 Monaten das erste Mal wieder deutschen Boden betritt. Und er erzählt uns, dass er gerade aus Bornholm kommt. Die vergangenen Monate hat er in Schweden verbracht, wo er entlang der Küste und nahe verschiedener Inseln gesegelt ist und dort gern auch einfach nur in Buchten vor Anker lag. Einhand, im Übrigen. Er wirkt irgendwie glückselig, wenn er so erzählt, das finde ich toll. Er hört heraus, dass wir keine große Erfahrung haben und sagt nur „irgendwann muss man ja mal anfangen“, anstatt kluge Ratschläge zu geben. Ein netter Mensch!
Am Abend liegt dann über dem Hafen eine geheimnisvolle Stimmung in der blauen Stunde. Ich kann nicht widerstehen und versuche das Licht in ein paar Fotos festzuhalten.

Sonntag, 26. Juli 2009

Verflucht, sind das Wellen!

Um 8 Uhr morgens hören wir die ersten Segler nebenan ihr Boot klarmachen. Ich werde wach und bin aufgeregt und kann nicht mehr schlafen. Außerdem habe ich die Route noch nicht vollständig ins GPS eingegeben. Also raus aus den Federn nach der ersten Nacht an Bord.
Der Wind heult und Schlechtwetterwolken rasen auf uns zu. Der Wetterbericht gibt erst für den Nachmittag Entwarnung. Der Himmel sieht aber überhaupt nicht nach Entwarnung aus.
Nach dem ausgedehnten Frühstück kommt nun die offizielle Bootsübergabe mit dem Vercharterer. Alle Fragen und Funktionsweisen von Leinen, die ich nie zuvor gesehen habe, habe ich Gott sei dank am Vorabend mit Lars klären können. Also geht alles schnell und glatt über die Bühne. Wir müssen auch langsam los, wenn wir die nächste Brückenöffnung in Wieck mitnehmen wollen. Das erste Ablegemanöver mit einem Schiff, das gar keinen Außenborder hat, steht bevor. Radeffekt, Steuerwirkung erst bei der Fahrt…lauter Dinge die ich nur aus Büchern kenne und die ich jetzt erstmals spüren werde.
Ich versuche in die Vorspring einzudampfen. Es passiert nicht viel. Genaugenommen werden wir wieder vom Wind an den Steg gedrückt. Mit dem Bootshaken stoßen wir uns ab, vom schwachen Motor, wie sich der Vercharterer ausdrückte, spüre ich tatsächlich nichts.
Ziemlich unkontrolliert kommen wir frei und das Bug geht irgendwie am benachbarten Boot vorbei. Ganz langsam tuckeln wir aus unserer Parklücke.
Immer wieder denke ich mir, das kann doch nicht die Fahrt sein, die dieser Motor zustande bringt, das kann nicht alles sein. Macht so einen Lärm und nichts passiert. Nach 10 Minuten Fahrt beschließe ich, etwas mit dem Gashebel herumzuspielen.
Auf einmal ruckt es und wir kommen endlich in Fahrt. Ich meine, richtig in Fahrt. Was war passiert? Nun, meine nachträgliche Problemanalyse hat folgendes Ergebnis gebracht: Nicht der Motor bewegte uns die ganze Zeit, sondern es war der Wind der zufällig richtig wehte für unsere beabsichtigt Fahrtrichtung. Unser Motor war die ganz Zeit im Leerlauf. Entstanden ist dieser Fehler wegen dem roten Knopf am Gashebel – der war nämlich bei der Fahrschule dazu dar, den Gang hineinzulegen. Offenbar funktioniert bei der Momo der rote Knopf etwas anders…Egal was es war, die Momo rast mit 6 Knoten auf die Wiecker Brücke zu…
Wir sind viel zu früh da. Wir müssen noch einmal an der Hafenmauer festmachen. Mist, nach so kurzer Zeit gleich ein Anleger. Der gelingt interessanter Weise. Spannender ist es, dass wir sogleich wieder ablegen müssen und mit all den anderen wartenden Schiffen durch die gehobene Brücke wollen. Dabei kommt es fast zu Katastrophe. Ich bekomme wieder den Gang nicht ordnungsgemäß rein. Wir driften, dazu noch andere Boote im Weg…Beinahe Kollision. Alles gut, nochmal Glück gehabt. Dann tuckern wir rauf auf die Ostsee.
Hier spüren wir langsam den strammen Wind. Längst haben alle anderen Boote die Segel gesetzt und auch wir wollen es nun wagen. Wir lassen alle anderen vorbei sodass wir schön viel Raum haben, falls etwas schief geht. Wir schiessen in den Wind und setzen was wir haben. Zur Sicherheit reffen wir dabei gleich. Und dann geht’s los.
Wow, der Wind legt sich bei leichtem Amwind-Kurs in die Segel und zieht uns mit 6 Knoten aufs Meer. Die Wellen sehen gar nicht so hoch aus, aber sie verprügeln unsere Momo ganz gewaltig. Ich bin sehr angespannt – so viel Bewegung im Boot hatte ich noch nicht. So viel Krängung ebenfalls nicht. Das Boot schaukelt wie eine Nussschale. Nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir draußen auf dem Meer bei der Greifswald-Tonne – unter Segeln eine Weltreise für mich. Und mit 5 Bft. ist das für mich auch quasi Sturm.
An der Greifswald-Tonne müssen wir etwas entscheidendes am Kurs ändern. Wir gehen auf Vorwind-Kurs und die Wellen stören nicht mehr so. Das Boot schaukelt zwar immer noch gut, aber erstens spürt man den Wind nicht mehr so stark (wegen dem resultierenden aus wahrem und Fahrtwind) und zweitens verprügeln die Wellen die Momo nicht mehr, nein, sie wiegen sie.
Doch dann passiert es: Der Wind dreht leicht, die Fock fällt ein, ich reiße zwar die Pinne noch zum Großbaum, aber es ging alles viel zu schnell. Ich rufe noch „Rund Achtern“ ziehe instinktiv den Kopf ein….ja Moment mal, warum ziehe ich bei diesem Schiff den Kopf ein, schließlich geht der Großbaum über meinen Kopf hinweg?! Es kann gar nichts passieren! In jedem Fall geht dadurch mein Kopf etwas nach vorn, genau in den Arbeitsbereich der Großschot, die sich bei der nun folgenden Patenthalse alsbald an meinen im Weg befindlichen Hals lehnt und diesen beherzt gegen die Bordwand quetscht. So fühlt sich also Strangulation an. Nun gut, Alles gut gegangen. Nur ne kleine Wunde am Hals.
Darum sind wir weiter angespannt. An Fotos denken wir in diesem Moment nicht. Schließlich liegen die Untiefen vor Usedom vor uns. Hier klappt aber alles reibungslos. Nur im Hafen von Kröslin verpassen wir die Marinaeinfahrt. Wir machen daneben fest, beim Bootsbauer….und blamieren uns mit unserem ersten Boxenanlegemanöver, nachdem wir fast auf Grund gesessen hätten. Aber man hilft uns und lacht nur innerlich über uns. Immerhin hat der Hafenchef Respekt davor, dass unser erster Ritt bei diesem Wind durch die Wellen ging. Die seien heute wirklich hoch gewesen, meint der Hafenmeister.
Geschafft! Überglücklich genießen wir in Kröslin die Abendsonne bei nunmehr 0 Bft.